Reisebloggermontag: Faszination China

Ulrikes Herz schlägt für Asien, ganz besonders für China. Warum das so ist und was sie auf dem exotischen Kontinent seit Mitte der 1980er erlebt hat, teilt sie mit uns im blogg.de-Interview.

blogg.de: „Liebe Ulrike, auf bambooblog.de befasst Du Dich mit dem asiatischen Kontinent, insbesondere China. Was fasziniert Dich an diesem Reiseziel?“

Reisebloggerin Ulrike in Pingyao (c) bambooblog.de
Reisebloggerin Ulrike in Pingyao (c) bambooblog.de

Ulrike: „Seit ich 1984 zum ersten Mal nach Asien gereist bin, damals nach Sri Lanka, hat mich der Kontinent gepackt. Ich war sofort begeistert von der uralten Kultur, von den freundlichen Menschen und der Andersartigkeit. Nach Sri Lanka kam China, eine wahre Herausforderung für einen westlichen Reisenden! So anders! So schön! Ich war nicht von Anfang an ein großer Fan von China. Zu schwierig das Reisen, kaum Verständigungsmöglichkeit, zu fremd das Land. Trotzdem war ich fasziniert von den alten Tempeln, der großartigen Natur und den riesigen Städten in China. Als ich dann 1988 zum ersten Mal in Peking war, kam das starke Gefühl hinzu, dass ich schon mal in einem früheren Leben dort gelebt hatte. Alles erschien trotz seiner Fremdartigkeit merkwürdig vertraut. Danach ließ mich China nicht mehr los. Ich habe zwar in den letzten 25 Jahren auch andere Länder bereist, u.a. auch Mexiko, doch immer kommt die Sehnsucht nach China wieder. Seit 10 Jahren arbeite ich in einem ausgesprochen chinesischen Umfeld in Hamburg. Und hab immer noch nicht genug von China. Ich sehne mich schon nach dem Moment, wenn ich zu meiner nächsten Reise nach China aufbreche. Diesmal in die Provinz Fujian, hoffentlich Ende des Jahres!“

blogg.de: „1987 warst Du das erste Mal in China. War das ein Kulturschock für Dich? Beschreibe Deine Eindrücke!“

Ulrike: „Damals war China noch nicht weit von Mao’s Zeiten entfernt. Die Menschen trugen überwiegend blaue, grüne oder graue Einheitskleidung. Es wurde streng zwischen Ausländern und Einheimischen unterschieden. Es gab eine eigene Währung für Westler: FEC = Foreign Exchange Certificate, man zahlte für Bahnfahrkarten und Museumstickets spezielle (hohe) Touristenpreise und durfte auch nicht einfach in irgendeinem Hotel absteigen. Für Westler und Backpacker gab es nur ganz bestimmte zugelassene Hotels. Es war schwierig, in China zu reisen. Doch nach diesen ersten vier Wochen wusste ich: Ich schaffe alles!“

blogg.de: „1991 und 1992 folgt Deine große Asien-Reise. Wie sah die Route aus und was waren die eindrücklichsten Erlebnisse?“

Ulrike: „Moskau – Transibirische Eisenbahn – China – Japan – Südkorea – Taiwan – Hongkong – China – Hongkong – Thailand – Indien – Nepal – Indien – Pakistan – China – Transsibirische Eisenbahn – Mongolei – Moskau
In den 18 Monaten, in denen ich unterwegs war, reihte sich ein Höhepunkt an den nächsten. Auf meinem Blog gebe ich nach und nach meine Erlebnisse, mein ganzes Reisetagebuch, wider. Am eindringlichsten war vielleicht meine 10tägige Meditationsretreat in einem Tempel in Thailand. Diese hat mein Leben nachhaltig verändert. Heute bin ich Buddhistin und meditiere regelmäßig.“

blogg.de: „Anhand der Daten sehen wir: Du warst auf Reisen, lange bevor das Internet in jedem Haushalt eine Selbstverständlichkeit war. Was hat sich seither für den Reisenden gewandelt?“

Ulrike: „Ich bin eine begeisterte Reisevorbereiterin. Muss ich ja sein, denn ich bin Reiseverkehrskauffrau. Ich liebe die Recherche im Internet. Es ist so einfach, sich heute ein Bild vom geplanten Hotel/Hostel zu machen, Zugverbindungen herauszusuchen und Ideen für interessante Orte abseits der geplanten Route zu sammeln!
Bis weit in die 1990er Jahre waren viele Länder Terra Incognita, die Möglichkeiten, sich auf fremde Kulturen vorzubereiten, waren auf einige Reiseführer beschränkt. Als ich 1984 als Backpackerin nach Sri Lanka reiste, gab es keinen brauchbaren Reiseführer für das Land. Ich bin mit einer Landkarte und einigen Heften des Sri Lanka-Touristboard gereist.
War es früher nun besser oder schlechter? Es war anders! Ich mag den Zeiten nicht nachtrauern. 1987 habe ich die Menschen glühend beneidet, die schon in 1970er Jahren nach China gereist waren. Ich erinnere mich an die Begegnung mit einer Frau, die schon 1982 über den Karakorum-Highway von Pakistan nach China gereist ist. Die habe ich sehnsüchtig beneidet. Aber das bringt doch nichts! Es ist wichtig im Hier und Jetzt zu leben. Heute beneidet man mich darum, dass ich schon in den 1980er Jahren nach China gereist bin.“

blogg.de: „Eine Kategorie Deines Blogs ist kulinarischen Genüssen gewidmet. Neben asiatischen Rezepten finden wir Artikel zu verschiedenen Themen, z.B. schreibst Du über die Tischgewohnheiten in China. Fass Dich für unsere Leser mal kurz: Wie läuft ein Familienessen nach chinesischen Sitten ab?“

Ulrike: „Ein Familienessen, also ein Essen zuhause? Mit oder ohne Gäste? Meistens geht man in China in ein Restaurant, wenn man mit Gästen essen möchte. Wenn man mal mit einer chinesischen Familie zuhause essen kann, dann kann das so aussehen: Man setzt sich an den großen Esstisch, die Hausfrau tafelt auf. Das bedeutet, dass sie die ganze Zeit zwischen Küche und Tisch hin und herläuft. Es kommt ja darauf an, möglichst viele Gerichte auf den Tisch zu bringen. Die werden nicht gleichzeitig fertig, da die Küche meistens nur über zwei Herdplatten verfügt. Jeder kann sich von den Gerichten nehmen. Dem Gast werden gerne die besten Happen in die Schale gelegt. Kinder essen in der Regel zum Schluss.“

blogg.de: „Kannst Du mit Stäbchen essen? Wie lange musstest Du dafür üben? Gibt es einen Trick, den Du uns verraten kannst?“

Ulrike: „Ja, klar, kann ich mit Stäbchen essen! Ich hatte keine Zeit zum Üben. Wenn ich damals 1987 in China nicht verhungern wollte, musste ich das können. Später hatte ich eine Zeit lang vorsichtshalber immer einen Löffel dabei. Einen Trick? Hmm, wenn man Probleme mit den Stäbchen hat und sich Gedanken um die korrekte Haltung macht, dann sollte man sich mal Kinder in China angucken. Die können das nämlich auch nicht auf Anhieb. Außerdem ist es völlig ok, wenn mal Brocken auf den Tisch oder auf den Boden fallen. Also keine Hemmungen! Achja, und immer die Schale direkt unter den Mund oder das Kinn halten. Dann ist der Weg des Essens bis zum Mund nicht so weit, es fällt weniger daneben.“

blogg.de: „Neben all den Vorzügen des Reisens kommen auf Deinem Blog auch ernstere Themen zur Sprache. Wir lesen zum Beispiel verschiedene Beiträge ‚Von der Angst unterwegs‘. Was hat es damit auf sich?“

Ulrike:
„Diese Kategorie entstand als Antwort auf eine Bemerkung vieler Freunde zu meinen Reisen: „Du bist aber mutig!“ Wenn man Mut als Überwindung von Angst ansieht, dann bin ich eher nicht mutig, denn ich habe selten wirkliche Angst gehabt. Ich denke, dass es vielen Reisenden so geht, dass sie die eine oder andere Situation erleben, in der sie Angst verspüren. Ich möchte mit meinen Geschichten zu der Angst unterwegs Hilfe und Tipps geben, wie man in bestimmten Situationen mit der Angst umgehen kann oder auch wie man eine Lösung findet. Und auch, welche Situationen man vermeiden sollte.“

blogg.de: „Warum bloggst Du? Du könntest schließlich genauso gut einfach durch die Welt fahren, die Bilder im Kopf haben und sie dort lassen – warum so öffentlich?“

Ulrike: „Ich habe früh angefangen, auf meinen Reisen ein Tagebuch zu schreiben. Ohne das würde ich schon so einiges vergessen haben. Hinzu kommt, das ich es liebe zu erzählen. Doch das meiste kennen meine Freunde bereits. Da bietet mir der Blog die Möglichkeit, zu erzählen und meine Fotos zu zeigen, ganz unaufdringlich. Keiner muss zuhören oder einen langwierigen Dia-Abend über sich ergehen lassen. Schreiben ist außerdem für mich eine Möglichkeit, mir über so manches klar zu werden. Ich schreibe einfach gerne! Und wenn meine Leser das mögen, dann freue ich mich.“

blogg.de: „Viele Blogger widmen sich dem Travelblogging, weil es dafür vermeintlich auch Übernachtungen in Luxushotels und Business-Class-Flüge gibt. Wie sieht es bei Dir mit dem ‘Sponsored travelling’ aus?“

Ulrike: „Ich habe schon so einige Reisen auf Einladung von Reiseveranstaltern und Fremdenverkehrsämter gemacht. Dabei habe ich auch in tollen Hotels gewohnt und bin in der Business-Klasse geflogen. Aber das ist mir als Reisebloggerin noch nicht vorgekommen. Die Einladungen kamen an mich als Reiseverkehrskauffrau bzw. Produktmanagerin. Solche sog. Info-Reisen bzw. Fam-Trips haben eine lange Tradition bei Reisebüros.
Wenn ich privat unterwegs bin, ziehe ich es vor, in einfachen Hostels zu wohnen. Die geben, zumindest in China, keine Freinächte an Blogger. Nur an Business-Klasse könnte ich mich gewöhnen. Doch dann werde ich wohl eher die Karte „Produktmanagerin“ als die „Reisebloggerin“ ausspielen.“

blogg.de: „Was wäre Dein Lieblingsziel über das Du gerne einmal bezahlt berichten würdest?“

Ulrike: „Im Moment hoffe ich auf eine Reise nach Singapur als Reisebloggerin. Auch nach Indien würde ich gerne noch mal reisen. Da ich damals (1992) von Indien nicht so begeistert war, würde ich mich gerne auf einer gesponserten Reise davon überzeugen lassen, dass Indien auch anders kann. Ansonsten bin ich offen für alles.“

blogg.de: „Ganz allgemein zum Thema Blogs. Wie siehst Du die Entwicklung in Sachen Blogging und Refinanzierung des Lebensunterhalts durch einen Blog?“

Ulrike: „Seinen Lebensunterhalt allein durch einen (oder mehrere) Blog zu verdienen, gelingt wohl nur ganz, ganz wenigen Menschen. Doch die Blogger werden sicherlich immer mehr an Bedeutung als Werbeträger gewinnen. In den letzten zwei Jahren, seit ich angefangen habe zu bloggen, hat sich die Bloggerwelt stark vergrößert. Waren 2014 bei der ITB (Internationale Tourismusbörse Berlin) rund 80 Reiseblogger registriert, waren es in diesem Jahr schon ca. 300 – 400. Da ist noch Luft nach oben.“

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