Blogger-Interview: Isländischer Hochzeitskuchen (Hjónabandssæla)

Schlemmend die Welt entdecken! Anke und Thorsten machen genau das und berichten darüber auf auf moosearoundtheworld.de
Im Interview am Reisebloggermontag (27. April 2015) haben wir die beiden bereits zu ihrer Leidenschaft Nummer eins ausgefragt, heute sprechen sie über ihre zweite große Liebe und zeigen, wie man beide Interessen gekonnt miteinander verknüpft. Zum Bericht „Auf den Spuren der Elche: die Roadtrips von MooseAroundTheWorld“ geht’s hier.

Das Interview

blogg.de: „In Eurer ‚Reiseküche‚ finden wir Restaurantkritiken, Koch-/Backbuchrezensionen und eigene Rezepte. Woher kommt Euer Interesse für Kulinarisches auf Reisen?“

Anke und Thorsten: „Einen Ort lernt man erst wirklich kennen, wenn man auch seine Küche erlebt. Und gutes Essen macht einfach glücklich. Von jeder Reise nehmen wir kulinarische Inspiration mit nach Hause und holen uns damit jedes Mal ein wenig Erinnerung wieder auf den Tisch. Und wir lernen die Vielfalt unserer heimischen Küche so richtig zu schätzen. Es gibt nichts was uns auf Reisen mehr fehlt als ein knusprig frisch gebackenes deutsches Brot. Dafür lernt man auch neue Zutaten für bekannte Rezepte kennen und schätzen. Der für uns beste Schokoladenkuchen der Welt wird übrigens mit Sauerkraut gebacken. Kaum zu glauben, oder? Wir haben das Rezept in den USA kennengelernt und haben es in die heimische Rezeptsammlung aufgenommen.“


blogg.de: „In welchem Teil der Welt seid Ihr geschmacklich ‚zuhause‘ und warum?“

Anke und Thorsten: „Wir lieben die US-amerikanische Küche – was natürlich ein sehr weit gefasster Begriff ist. Aber richtig gut gemachte Burger, saftige Steaks, Rippchen – mhmm, das ist fantastisch. Wir reden da nicht von diversen Burgerbratbuden, ganz im Gegenteil. Für leckeres amerikanisches Essen muss man zum Teil tief in die Tasche greifen, da Rindfleisch von entsprechender Qualität nun mal nicht für umme zu haben ist. Anfangs waren wir selbst skeptisch, was die Qualität des Essens in den USA angeht. Aber als wir das erste Mal richtig gute Baby Back Ribs und einen medium gebratenen Rindfleischburger vor uns hatten, war die Liebe da.

Die leichte italienische Küche ist aber genauso unser Favorit – bei unserer Rundreise durch Italien im Sommer 2012 sind wir auf den Geschmack gekommen. Risotto a la genovese, selbstgebackene Focaccia, Fisch einfach nur in Olivenöl gebraten – großartig. Genauso einfach aber großartig ist natürlich italienisches Eis, das anders als hier nicht in Kugeln, sondern mit einem Spachtel ins Hörnchen gedrückt wird.“

blogg.de: „Wo habt ihr die beste, wo die schlechteste Restaurant-Erfahrung gemacht?

Anke und Thorsten: „Puh, eine Frage, die man wohl nur spontan beantworten kann, sonst zergrübelt man die Antwort. Wir haben definitiv deutlich öfter sehr gut als schlecht gegessen. Großartig gegessen haben wir im Pepper’s Restaurant in Page (Arizona, USA). Es waren wohl mit die besten Rinder-Rippchen, die wir je gegessen haben. Wunderbar war auch das Restaurant im Landnahmezentrum (Borgarnes, Island). Frisch gebackenes Brot, köstliche Fisch- und Fleischgerichte. Das haben wir uns dann auf unserer Hochzeitsreise einfach mal gegönnt. Das günstigste Restaurant auf Island war auch gleichzeitig mit das beste: Gregor’s Pub im kleinen Örtchen Dalvik im Norden Islands. Butterzartes Lammfilet mit einer unfassbar genialen Sauce.

Wirklich enttäuscht waren im Restaurant The Fernery’s in Südafrika. Die Kulisse hoch oben über einem Wasserfall mitten im Wald war einmalig. Aber der Raum des Restaurant war klein, eng und zugig. Die Teller nicht ordentlich gespült und das Essen geschmacksarm. Von Gang zu Gang wurde es schlechter. Es war mit das teuerste Essen in Südafrika und auf jeden Fall das entäuschendste.“

blogg.de: „Wohin schickt Ihr uns, wenn wir in Eurer Heimat am Niederrhein richtig gut essen wollen?“

Anke und Thorsten: „Der Niederrhein ist wirklich immer eine Reise wert und hält so einige kulinarische Perlen bereit. Da wir den Beitrag nicht sprengen wollen kommen hier unsere Top 3:

1) „Im Eichwäldchen“ (Duisburg)
Sehr empfehlen können wir euch das wunderschöne Restaurant „Im Eichwäldchen“ im Duisburger Süden. Regionale Küche auf Spitzenniveau und klassische (niederrheinische) Gerichte neu interpretiert. Die Karte wechselt saisonal. Dazu kommt die wunderschöne Lage mittem in namensgebenden Eichwäldchen.

2) „Chopelin“ (Krefeld-Uerdingen)
Das Restaurant liegt direkt an der neugestalteten Rheindeich-Promenade und bietet französische Küche der Extraklasse. Im angrenzenden Bistro kann man für kleines Geld die Gerichte einmal antesten (Mittwoch abends gibt es dort z.B. ein Probiermenü).

3) „Chi-Sushi“ (Krefeld Uerdingen)
Wir haben schon viele Sushi-Restaurants angetestet, aber an Chi-Sushi kommt keiner ran. Großartig schmecken die Nigiris mit z.B. scharf mariniertem Thunfisch oder auch die Baked Rolls (frittierte Sushi Rollen). Die Special-Rolls sind besondere Meisterwerke, die z.B. innen mit Avocado, Gurke und Co gefüllt und außen mit Lachs und Thunfisch umwickelt sind.“

Rezept:Isländischer Hochzeitskuchen (Hjónabandssæla)

Anke und Thorsten: „Unsere Reise nach Island war gleichzeitig auch unsere Hochzeitsreise und so wurden wir beim Namen ‚Happy-Marriage-Cake‘, der sich in manchen isländischen Dessertkarten und Kochbüchern findet, natürlich neugierig. Traditionell bezeichnet der Hjónabandssæla einen recht trockenen, knusprigen Haferflocken-Streuselkuchen, der im Inneren mit Rhabarbermarmelade bestrichen wird. Durch die Marmelade wird der Kuchen jedoch leicht trocken – deshalb nehmen wir lieber jede Menge frisches Obst. Rhabarber hat zur Zeit noch Saison und passt mit seinem säuerlichen Aroma perfekt zu den süßen Haferflocken-Streuseln. Im letzten Herbst haben wir Pflaumen verwendet – auch damit schmeckt der Kuchen super.“

ZUTATEN

200 g Haferflocken
300 g Mehl
1 TL Backpulver
150 g brauner Zucker
1 TL Zimt
250 g weiche Margarine
1,3 kg Obst, z. B. Rhabarber oder Pflaumen

ZUBEREITUNG

Alle trockenen Zutaten werden zusammen mit der Margarine in eine Schüssel gegeben und zu Streuseln verknetet. Die Pflaumen waschen, entsteinen und in grobe Stücke schneiden. Eine Springform mit Backpapier auslegen und am Rand leicht mit Margarine bestreichen. Von den Streuseln ca. 250 g zur Seite legen. Die anderen Streusel am Boden der Springform zu einem Teig andrücken und rundherum jeweils einen ca. 2 cm hohen Rand formen. Die Pflaumen auf dem Boden verteilen und die restlichen Streusel darüber verteilen. Bei 200 Grad backt der Kuchen nun für ca. 30 Minuten im Ofen bis die Streusel goldbraun sind.

Anke und Thorsten: „Ihr frag Euch vielleicht Was hat es mit diesem Kuchen nun genau auf sich? und warum genau der Kuchen für eine glückliche Ehe sorgen soll? Da gibt es wie so oft auf Island viele Geschichten zu. Durch den Kochunterricht an isländischen Schulen kennt schon jedes Kind dieses Rezept. Die Zubereitung ist wirklich kinderleicht, die Zutaten hat man immer zu Hause und der Hjónabandssæla gelingt einfach immer. Er ist also die perfekte Leckerei, den die Braut dem Bräutigam (oder natürlich auch andersherum) backen kann.

Genau wie sich die Ehe im Laufe der Jahre ändert wird auch das Rezept gerne variiert. Schließlich soll der Kuchen ja öfter in der Ehe serviert werden und damit es nicht langweilig wird werden nach Belieben gerne Schokotropfen, Rosinen, Kokosflocken oder anderen Zutaten hinzugefügt. Wir haben direkt auch das Obst an die Saison angepasst (da wir nicht wie auf Island üblich kiloweise Rhabarber zu Marmelade eingekocht haben). Und das wichtigste überhaupt: Liebe geht durch den Magen und mit diesem saftig knusprigen Kuchen ist die Welt einfach in Ordnung. Lasst es euch schmecken.“

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