Reisebloggermontag: Warum es ohne Auszeiten nicht geht

Im Alltag vergessen wir oft, uns mal eine Pause zu gönnen, auch wenn wir uns nicht als Workaholics bezeichnen würden und es durchaus verstehen, im Urlaub jeglichen Stress abzuschütteln. Warum es trotzdem wichtig ist, nicht nur auf wenige Wochen Freiraum im Jahr hinzuarbeiten, erklärt Bloggerin Corinna von aussteigenbitte. Auszeiten, findet sie, können ganz unterschiedlich umgesetzt werden. Im blogg.de-Interview gibt Corinna Tipps zum Abschalten und berichtet, wie ihre „Ich-Zeit“ während einem dreimonatigen Arbeitsaufenthalt im Zirkus aussah.

Reisebloggerin Corinna (c) aussteigenbitte.de
Reisebloggerin Corinna (c) aussteigenbitte.de

blogg.de: „Auszeiten ist das Schlagwort Nummer Eins, wenn man sich auf deinem Blog umschaut. Was würdest Du einem Workaholic sagen, warum sind Auszeiten so wichtig?

Corinna: „Gerade für einen Workaholic ist es wichtig, sich auch mal eine “Ich-Zeit” zu gönnen. In der heutigen Zeit, in der Burnouts eine der häufigsten Krankheiten sind, ist es wichtig auch mal abzuschalten. So eine Auszeit sieht für jeden anders aus. Da gibt es kein Patentrezept. Es ist wichtig, sich mit sich selber auseinander zu setzen und die Dinge zu finden, die einen Entspannen lassen. Ob das jetzt ein Spa-Tag ist, ein Tag im Freizeitpark oder vielleicht auch einfach nur 15 Minuten Meditation am Tag ist dabei vollkommen egal. Alles ist erlaubt. Wichtig ist, wie gesagt nur, dass man sich wirklich auch mal Ruhe gönnt, sonst brennt man zu schnell aus und kann auch nicht mehr mit Energie und Freude seinem Job nachgehen.“

blogg.de: „Du differenzierst ‚Reiseauszeit‘ und ‚Alltagsauszeit‘. Am Reisebloggermontag interessiert natürlich besonders die Reiseauszeit. Wie sieht eine solche für Dich aus?“

Corinna: „Auch hier kann das wieder ganz individuell sein. Am idealsten für mich ist natürlich immer: Je länger, desto besser! Trotzdem können auch Wochenendtrips ganz toll sein. Wenn ich mir natürlich mehrere Monate Zeit nehme, dann lerne ich das Land und die Mentalität ganz anders kennen, als wenn ich nur ein Wochenende in einer Stadt verbringe. Ich liebe Sightseeing, aber ich liebe es auch mich treiben zu lassen. Das Reisen bringt so viele Facetten mit sich, wie es Menschen auf diesem Planeten gibt. Auch hier muss jeder für sich selber heraus finden, was für ihn funktioniert.
Mein idealer Tag wäre aber: Spät aufstehen und dann ausgiebig Frühstücken. Am liebsten mit Blick aufs Meer. Danach an den Strand setzen und ein Buch lesen oder einfach aufs Meer hinaus schauen. Vielleicht ab und zu mal rein und schwimmen. In der Mittagshitze verziehe ich mich dann an einen kühleren Ort und am Abend gibt es dann noch ein leckeres Abendessen. Das wäre mein idealer fauler Tag.
Ein Tag mit mehr Aktion wäre dann: Etwas früher aufstehen, Frühstücken und sich dann die Plätze des Ortes anschauen, in dem ich mich gerade befinde. Am liebsten halte ich dann alles in Bildern fest. Ich gehöre zu den Menschen, die einen Ort viel durch die Kamera sehen. Ab und zu setze ich mich dann auf eine Bank und schaue dem geschäftigen Treiben zu oder genieße die Stille.“

blogg.de: „Mindestens genauso wichtig – oder wichtiger – ist die Alltagsauszeit. Hier finden wir auf Deinem Blog die Unterkategorien Kopfzeit und Wellness. Kannst Du beide kurz beschreiben und unseren Lesern den einen oder anderen Tipp dazu geben?“

Corinna: „Ich habe diese Kategorien erst vor kurzem eingeführt. Eigentlich verläuft die Linie dazwischen schwimmend. Wellness ist für mich mehr als Massagen oder ein Tag im Spa. Für mich ist das auch ein Tag in der Natur, oder am Meer. Alles was einem gut tut und einen entspannen lässt eben.
Unter Kopfzeit fallen für mich Dinge wie zum Beispiel Bücher, Musik und Meditation. Wobei sich letzteres ja auch wieder in den Wellnessbereich eingliedern lässt. Ich wollte mir die Möglichkeit für verschiedene Artikelreihen offen halten, die mir so im Kopf herumschwirren und manchmal schreibe ich auch über Dinge, die halt gerade aktuell sind und sich vielleicht nicht in eine der vorgegeben Kategorien gliedern lassen.
Zum Eurovision Song Contest habe ich zum Beispiel einen Artikel geschrieben, weil es mir gerade ein Bedürfnis war. Ich fand, dass das Lied eine tolle Botschaft hatte, hatte aber keine wirkliche Kategorie in die ich es packen konnte. Für mich ist Musik aber eine wichtige Alltagsauszeit, also fand ich, dass es irgendwie rein muss. Dadurch ist dann die ‚Kopfzeit‘ entstanden. Musik ist eine tolle Möglichkeit den Kopf frei zu bekommen.
Ich finde es unglaublich wichtig, dass man nicht nur auf die 2 oder 3 Wochen im Jahr hinarbeitet, in denen man Urlaub hat. Man muss auch im Alltag dafür sorgen, dass man mal abschalten kann. Deshalb sind Alltagsauszeiten so wichtig. Wie gesagt, fast noch wichtiger als die Reiseauszeiten.“

blogg.de: „Wie wichtig ist Dir Wellness auf Reisen? Du warst einige Monate mit einem Zirkus unterwegs. An Spa-Momente ist da nicht zu denken, oder?“

Corinna: „Wellness ist ein großer Teil meines Lebens. Ich interessiere mich für das Thema und habe es ja auch zu meinem Beruf gemacht. Trotzdem brauche ich keinen Spa um einen Wellnessmoment zu genießen.
Es ist richtig. Im Zirkus gibt es wenige bis keine Wellnessmomente – bis auf die, die man sich selber schafft. Ich war mit dem Zirkus in Österreich und da gab es natürlich viel für mich zu entdecken. Ich habe es zum Beispiel geliebt, nach der Arbeit an der Donau in Linz zu spazieren. Wir hatten da wirklich den Idealen Standplatz. Direkt am Wasser. Das hat wirklich dazu eingeladen spazieren zu gehen.
Jeder der mich kennt, weiß das ich eigentlich nicht gerne laufe. Ich bin auch kein Wanderer, aber dort konnte ich nicht anders. Gerade weil man im Zirkus oft die gleichen Gesichter sieht und wenig Freiraum hat (zumindest für einen Einzelgänger, wie mich), ist es wichtig, dass man sich auch die Welt außerhalb des Zaunes anschaut. Man muss regelmäßig raus, sonst bekommt man irgendwann einen Lagerkoller.“

blogg.de: „Wie bist Du zum Zirkus gekommen?“

Corinna: „Eigentlich ist das eine total langweilige, banale Geschichte! 😀 Ich habe eine Stellenanzeige auf der Seite des Arbeitsamtes gesehen und dachte sofort: “Das will ich!”, also habe ich mich beworben und bin kurz darauf zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden.
Da ich kein Problem mit der Campingsituation hatte, die ja dort irgendwie herrscht und auch kein Problem mit dem wenigen Platz in meinem “Zimmer” hatte, war ich wohl eine ideale Kandidatin und habe kurz darauf die Zusage bekommen. Ich bin dann eine Woche zur Probe nach Innsbruck gefahren und habe dort überzeugt, also durfte ich, nach der Sommerpause, in Wien wieder dazustoßen.“

blogg.de: „Wie hat sich Dein Alltag gestaltet und wie sahen Deine Auszeiten während dieser ganz besonderen Reise aus?“

Corinna: „Meinen normalen Alltag habe ich auch auf meinen Blog schon einmal beschrieben (hier geht’s zum Artikel). Ich habe in der Kasse gearbeitet und hatte meistens drei Schichten. Nie wirklich lange. Man hatte immer genügend Zeit, in Ruhe Mittag zu essen und zwischendurch mal auf Toilette zu gehen. Das habe ich tatsächlich auch sehr häufig gemacht. Das Abteil hatte natürlich keine eigene Toilette und so habe ich jede Möglichkeit genutzt, wenn ich am Toilettenwagen vorbei kam.
Es war eine Zeit, die ich nicht missen möchte. Obwohl ich (momentan) nicht wieder zurück möchte, ist das Zirkusleben schon etwas besonderes. Man lebt quasi in einem reisenden Dorf, mit eigenen Regeln. Jeder kennt jeden. Für mich als Stadtkind ist das gewöhnungsbedürftig gewesen. Ich hatte nie Probleme irgendwo Anschluss zu finden. Ich gehe immer offen auf Menschen zu, aber daheim habe ich Rückzugsmöglichkeiten. Die hat man im Zirkus kaum, auch wenn man sein eigenes Abteil hat. Sie sind sehr hellhörig und wenn der Wagen nicht aufgebockt wird (was eigentlich nie passiert), dann bekommt man auch jede Bewegung des anderen mit. In der ersten Nacht, bin ich dadurch ganz leicht seekrank geworden, das hat sich aber schnell wieder gelegt.
Umso wichtiger ist es, sich auch mal eine Auszeit zu nehmen. Ich bin an meinen freien Tagen immer in die Stadt gefahren. Gerne auch an ruhige Orte, wie zum Beispiel in Linz auf den Pöstlingberg. Die Stille dort oben war wunderbar und ein echter Wellnessmoment für mich. Ich habe mich auf eine Bank gesetzt und auf die Stadt runter geschaut. Die einzigen Geräusche waren der Wind in den Bäumen und ein paar Vögel. Meine Seele konnte richtig durchatmen in diesem Moment. Nach solchen Tagen hatte ich dann auch wieder die Kraft, für die nächste Arbeitswoche.“

Für mehrere Wochen Corinnas Zuhause: das Zirkusdorf (c) aussteigenbitte.de
Für mehrere Wochen Corinnas Zuhause: das Zirkusdorf (c) aussteigenbitte.de

blogg.de: „Warum bloggst Du? Du könntest schließlich genauso gut einfach durch die Welt fahren, die Bilder im Kopf haben und sie dort lassen – warum so öffentlich?“

Corinna: „Hm … gar nicht so leicht zu beantworten. Mit dem Bloggen angefangen habe ich eigentlich, als ich nach Neuseeland geflogen bin. Mein erster Blog war mehr für meine Familie und Freunde, damit sie sehen konnten, wo ich gerade bin und was ich so treibe. Tatsächlich hatte ich dann aber Spaß am Schreiben und ich fand es auch toll, dass ich so meine Erlebnisse festhalten kann. So habe ich nicht nur Bilder gehabt, sondern auch meine Gedanken festgehalten.
Das Ganze könnte ich natürlich auch in ein Tagebuch schreiben. Warum also so öffentlich? Weil ich gemerkt habe, das auch immer mehr Fremde auf meinen Blog zugreifen. Sie wollten von meinen Erfahrungen lernen und das fand ich irgendwie toll. Ich finde es toll, dass ein Blog jemandem wie mir die Möglichkeit gibt, seine Erfahrungen und sein Wissen weiter zu geben. So können andere vielleicht aus Fehlern lernen oder werden auf Dinge aufmerksam gemacht, an die sie vielleicht vorher noch gar nicht gedacht haben. Da ich aber nicht gut vor Fremden Menschen reden kann, ist es quasi perfekt, dass ich mich hinter meinem Laptop verstecken kann.
Das Internet gibt zurückhaltenden Menschen wie mir die perfekte Möglichkeit aus sich heraus zu kommen und ihr Potenzial auf andere Art und Weise auszuleben.
Ich liebe die Reaktionen auf meine Artikel und manchmal ist es auch ein leichter Thrill. Man will seine Sache natürlich so gut wie Möglich machen und hat immer ein wenig Angst, auf Ablehnung zu stoßen. Bei jedem neuen Artikel ist es also wieder aufregend zu sehen, ob er nun ankommt und wie die Reaktionen darauf sind.
Alles in Allem habe ich im bloggen eine echte Leidenschaft gefunden, die ich nicht mehr missen möchte.“

blogg.de: „Viele Blogger widmen sich dem Transalbingien, weil es dafür vermeintlich auch Übernachtungen in Luxushotels und Business-Class-Flüge gibt. Wie sieht es bei Dir mit dem ‘Sponsored travelling’ aus?“

Corinna: „Ich bin ehrlich: Ich bin dem Ganzen nicht abgeneigt, aber ich will es auch nicht übertreiben. Mein Blog ist mein Baby und soll nicht zur Linkschleuder verkommen. Was nicht zu mir oder dem Blog passt, wird nicht gemacht. Fertig! Doch wenn es passt und das Angebot da ist, dann bin ich nicht abgeneigt. In meinem persönlichen Fall ist es aber noch so gut wie gar nicht vorgekommen, auch wenn es mal Gespräche gab.
Ehrlicherweise muss man aber sagen, dass viele Reiseblogger natürlich ein begrenztes Budget haben. Wenn dann eine Anfrage kommt und die Reise auch wirklich zum Thema des Blogs passt, dann finde ich es legitim so ein Angebot auch anzunehmen. Es ist ja nicht nur der Punkt, das man dadurch Geld spart. Man bekommt ja auch etwas dafür. Input nämlich den man an seine Leser weiter geben kann.
Manchmal ist der auch gar nicht so positiv. Doch eine Sache, die ich mir nicht nehmen lasse, ist meine freie Meinung. Ich sage immer dazu, dass meine Meinung nicht gekauft werden kann. Die meisten Firmen wollen das auch gar nicht. Sie arbeiten bewusst mit Bloggern zusammen, weil sie eine ehrliche Meinung haben wollen. Manche sind dann sogar ganz dankbar, wenn man Ihnen Verbesserungsvorschläge, oder neue Anregungen an die Hand gibt. Natürlich gibt es auch hier wieder solche und solche. Ich denke am Ende des Tages ist es einfach wichtig, sich selbst treu zu bleiben und eine gute Waage zu halten. Wie bei allem im Leben.“

blogg.de: „Was wäre Dein Lieblingsziel, über das Du gerne einmal bezahlt berichten würdest?“

Corinna: „Schwierige Frage. Darüber habe ich mir bisher noch gar keine Gedanken gemacht. Die Liste der Länder, die ich noch sehen will, ist sehr lang. Ich denke momentan würde ich mich total über Afrika und eine Safari freuen. Das ist mein nächstes großes Ziel.
Dadurch, das ich als Kind oft in Griechenland war, würde ich mich auch über eine Reise dorthin freuen. Besonders in der gerade schwierigen Zeit, finde ich es wichtig, auch positives über das Land zu berichten. Ja, das Land hat Probleme, aber gerade jetzt braucht es Touristen. Das Land ist außerdem viel zu schön und historisch zu wundervoll um es jetzt links liegen zu lassen.“

blogg.de: „Ganz allgemein zum Thema Blogs. Wie siehst Du die Entwicklung in Sachen Blogging und Refinanzierung des Lebensunterhalts durch einen Blog?“

Corinna: „Meinen Lebensunterhalt kann ich durch das Bloggen noch lange nicht finanzieren und ich denke, dass das auch einigen Wenigen vorbehalten bleibt, bzw. denen, die sich um das Bloggen herum etwas aufbauen und Dienstleistungen oder anderes anbieten. Ich denke aber, dass das Bloggen immer mehr Beachtung findet und es gerade für Firmen immer interessanter wird. Immer mehr Konzerne fangen an umzudenken und bemerken, dass die neuen Medien immer wichtiger werden.
Ich denke, wir befinden uns in einer Zeit, in der diese Art der Werbung erst wirklich entdeckt wird. Dadurch gibt es jetzt natürlich eine Flut an neuen Blogs, die wie Pilze aus dem Boden schießen. Leider hat das zur Folge, dass dadurch viele unseriöse Angebote kommen, da es auch viele Blogger gibt, die bereit sind, so was mitzumachen. Ich denke, dass nur die Blogger, die einen langen Atem beweisen und sich langfristig treu bleiben und es richtig aufziehen, auch schaffen werden ‚am Markt‘ zu bleiben. Langfristig, wird die Spreu vom Weizen getrennt werden.
Ich halte es aber, wie gesagt, nicht für falsch, Geld mit seinem Blog verdienen zu wollen. Es ist ja auch Arbeit, die dahinter steckt. Manchmal sogar nicht zu wenig. Trotzdem sollte man auf Qualität achten. Nur um ein paar Euro zu verdienen, sollte man nicht alles machen. Das schadet letzten Endes auch der eigenen Glaubwürdigkeit.“

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