Reisebloggermontag: Tipps für USA-Fans 50+

Kaum zurück aus Travemünde und schon im blogg.de-Interview: Antje von 101usa.de und seniortraveller.de bloggt auf 101usa.de über ihr liebstes Reiseziel. Auf seniortraveller.de schreibt sie für die Generation 50+, gibt Tipps zur Reiseplanung und Buchung im Netz.

blogg.de: „Liebe Antje, Du kommst gerade von einer Reise zurück. Wo warst du gerade und welche Reisetipps hast Du mitgebracht?“

Reisebloggerin Antje am Nordkap (c) Antje, 101usa.de seniortraveller.de
Reisebloggerin Antje am Nordkap (c) Antje, 101usa.de seniortraveller.de

Antje: „Wie so oft, entstand auch meine jetzige Reise eher spontan. Ich habe noch eine
große Leidenschaft: das Pétanque-Spiel. Dafür fand am ersten August-Wochenende in Travemünde eines der größten Turniere Deutschlands statt. Da man die 700-800 km ja dann nicht mal eben so fährt und ich
vorher und nachher ein paar Tage Zeit hatte, wollte ich eigentlich mit meinem Motorroller wieder eine Tour machen. Das hat dann aus gesundheitlichen Gründen nicht geklappt und ich bin kurzerhand mit
meinem Papa im Reisemobil auf Tour gegangen. Die erste Woche fuhren wir über die Sächsische Schweiz in die Lausitz, dann an die Ostsee. Die zweite Woche ging es entlang der Ostsee zurück über die Mecklenburgische Seenplatte und Magdeburg nach Hause. Reisetipps habe ich in diesen zwei Wochen wieder viele gesammelt, die ich jetzt auch nach und nach in meinem Blog veröffentlichen werde. Aber besonders in Erinnerung habe ich noch Wandern im Kirnitzschtal inkl. Fahrten in der nostalgischen Straßenbahn und im Kahn, die Schmalspurbahn von Zittau, das echte Fürst-Pückler-Eis auf dem Balkon des Schlosses in Bad Muskau, die Hansestädte Schwerin und Lübeck inkl. sonnigem Aufenthalt in Travemünde, die schöne Landschaft zwischen Rostock und Zingst, einen kleinen verträumten See bei Wustrow im Ruppiner Seenland und das Schiffshebewerk bei Magdeburg am größten Wasserstraßenkreuz Europas. Deutschland hat
wirklich sehr schöne Ecken zu bieten.

blogg.de: „Du schreibst ganz fleißig auf 101usa.de und seniortraveller.de. Da drängt sich die Frage auf: Warum gleich zwei Blogs?“

Antje: „Ich fand, dass die USA und die Reiselustigen ab 50 je einen eigenen Blog verdient hätten. Ansonsten wären die Themengebiete zu groß geworden. Natürlich überschneiden sich die Gruppe und das Reiseziel auch mal, dennoch wollte ich bewusst trennen. Bei den USA geht es mir um das Reiseziel, Tipps und Tricks dazu. Bei den Seniortravellern geht es auch mal um Themen wie das Smartphone oder wie man gut und günstig einen Flug findet. Die Generation 50+ ist zwar schon fleißig online, aber es sind eben noch nicht alle Möglichkeiten des Internet bekannt. Zudem überlege ich gerade auch noch mein Geschäft auf Reisebegleitung für Senioren auszubauen, da passt der Blog auch besser zu der Gruppe.“

blogg.de: „Stellst Du unseren Lesern die Vorzüge des jeweiligen Reiseblogs kurz vor?“

Antje: „Wie gesagt, für die USA habe ich einen Blog gegründet, um Land und Leute vorzustellen. Vor allem geht es mir da auch um Reiseziele, die vielleicht noch nicht so in aller Munde sind. Oder kanntest Du das Louisville Slugger Museum? Es gibt dort so viel zu entdecken, dass man ganze Bücher damit füllen kann. Bei seniortraveller.de wollte ich eher auf den zweiten Reisefrühling eingehen. Menschen ab 50 starten nochmal richtig durch, sind aufgeschlossen, neugierig und heutzutage auch online affin genug, um sich per Blog zu informieren. Ich wollte dieser Gruppe das Thema Reisen in seiner ganzen Bandbreite näherbringen.“


blogg.de: „Aus Deiner Vita haben wir erfahren, dass Du Deinen Nachnamen Freudenthal ins Englische übersetzt hast, um Joy Valley als Pseudonym für Visitenkarten und Buchtitel zu nehmen. Welche Bücher entstammen Deiner Feder, wovon handeln Sie und wo sind sie zu bekommen?“

Antje: „Ich habe bisher zwei Bücher veröffentlicht, die man in jeder Buchhandlung und online findet. Bei beiden handelt es sich um Reiseberichte meiner etwas verrückten und extremen Motorrollertouren. Das erste Mal bin ich von Mallorca nach Deutschland gefahren. Das zweite Mal von Deutschland ans Nordkap. Das zweite Buch kam jetzt gerade erst Anfang Juni heraus. Die ISBN Nummern lauten 978-3842338876 und 978-3734797989. Natürlich gibt es sie auch als E-Book. Wer bei den großen Online-Buchhändlern meinen Namen eingibt, wird auch schöne Fotokalender aus meiner „Feder“ entdecken.

blogg.de: „Du schreibst „Wenn ich eines liebe, dann Reisen“ – woher kommt diese Leidenschaft und wodurch wird sie genährt?“

Antje: „Meine Familie war schon immer reiseverrückt. Meine Großeltern hatten ein Reisemobil und waren viel unterwegs. Sie sind 1979 auch mal ein halbes Jahr durch die USA getourt. Mit meinen Eltern war ich von Kindesbeinen an auch im Reisemobil unterwegs. Es gab so immer etwas Neues zu entdecken, neue Sprachen zu lernen oder leckere Köstlichkeiten zu probieren. Das machte Lust auf mehr. Und so habe ich die Reiseleidenschaft weiter gelebt. Ich habe dann auch mal Flugzeug oder Bus ergänzt, um weiter weg zu kommen. Oder bin eben auf den Motorroller umgestiegen, um „Freiheit“ wirklich leben bzw. mein Reiseziel „hautnah“ erleben zu können. Heutzutage bin ich fast süchtig nach „Reisen“. Wenn ich ein paar Tage zu Hause bin, werde ich schon wieder unruhig und fange an zu überlegen, was ich noch so anstellen könnte. Dann suche ich im Internet nach Schnäppchen, spreche mit Freunden über Ziele oder blättere in Bildbänden, um Inspiration zu finden. In meinen Augen reise ich noch viel zu wenig. Ich bin einfach unendlich neugierig!“

blogg.de: „Mit Deiner „großen Reise zum Nordkap“ hast Du uns echt neugierig gemacht. Berichte mal, was hast Du so erlebt?“

Antje: „Puh, gute Frage. Da kann man viel erzählen. Deshalb ist daraus ja auch ein Buch entstanden. Die Neugier kam durch meine Großeltern, weil für sie Norwegen das Traumland war. Als mein Opa vor zwei Jahren starb, wollte ich erst recht wissen, über welches Land bzw. welche Region er immer so geschwärmt hatte. Skandinavien fehlte mir zu diesem Zeitpunkt noch komplett auf der Landkarte. Als ich merkte, dass ich mal wieder einige Wochen am Stück Zeit haben würde und dass ich gerne wieder mit meinem Motorroller eine Tour machen wollte, reifte der Gedanke immer mehr, diese Tour in den Norden zu machen. Ganz konkret habe ich mich dann aber erst ca. 3 Wochen vorher vorbereitet. Urlaub ist bei mir schon immer eine spontane Sache. Ich konnte auch bei meinen Anstellungen nie im Dezember sagen, wann ich im nächsten Jahr Urlaub haben wollte. Bei mir kommt plötzlich die Stimmung auf und dann muss es auch losgehen. Länger als vier Wochen vorher kann ich einfach nicht planen. Naja, und dann bin ich eben im August 2014 losgetuckert, für sechs Wochen, knappe 10.500 km, bis ganz nach oben. Dabei habe ich so viele Menschen getroffen, so viel tolle Natur gesehen und so viele besondere Erlebnisse gehabt, dass ich kaum ein oder zwei Besonderheiten herauspicken könnte. Daher dann das Buch, darin habe ich auch ein Passwort versteckt, dass auf meiner Homepage zu einem Fotoalbum mit über 350 Bildern aus dieser Zeit führt. Ansonsten könnte man die Reise gar nicht darstellen. Aber eines kann ich definitiv sagen: Am Nordkap anzukommen ist etwas ganz Besonderes. Es hat etwas Magisches. Bei mir liefen die Tränen und ich war tief ergriffen. Ein ganz toller Moment! Ich wollte gar nicht mehr weg. Und diese unendliche Freiheit, die ich auf dieser Reise spürte, war auch wunderbar. Ich konnte tun und lassen, was ich wollte. Ich war niemand Rechenschaft schuldig. Wenn ich Kontakt wollte, fand ich immer jemanden in den Herbergen. Aber diese unglaubliche Ruhe im Norden tat unbeschreiblich gut. Wenn man sein eigenes Blut fließen hören kann, weil ansonsten kein Geräusch da ist, dann kommt man wirklich bei sich an. Auf dieser Reise hatte ich sehr viel Zeit und Gelegenheit zum Nachdenken und das hat sehr gut getan.

Geirangerfjord, Norwegen (c) Antje,  101usa.de seniortraveller.de
Geirangerfjord, Norwegen (c) Antje, 101usa.de seniortraveller.de

blogg.de: „Warum bloggst Du? Du könntest schließlich genauso gut einfach durch die Welt fahren, die Bilder im Kopf haben und sie dort lassen – warum so öffentlich?“

Antje: „Ich fotografiere und schreibe gerne. Diese beiden Hobbies wollte ich zum Beruf machen. Da gehört Bloggen einfach dazu. Und warum sollen nicht auch andere von meinen Erfahrungen profitieren. Ich kann meine offene, ehrliche Meinung preisgeben und andere können mit dieser Information entscheiden, ob sie das Reiseziel dann ansteuern oder nicht. Reiseführer sind schön, aber in meinen Augen nicht ausführlich und unabhängig genug.“

blogg.de: „Viele Blogger widmen sich dem Travelblogging, weil es dafür vermeintlich auch Übernachtungen in Luxushotels und Business-Class-Flüge gibt. Wie sieht es bei Dir mit dem ‘Sponsored travelling’ aus?“

Antje: „Das habe ich zu Beginn meiner Blogger-Tätigkeit auch gelesen. Meine Erfahrung zeigt aber, dass das gar nicht so ist. Also zumindest habe ich noch keine gratis Übernachtung und keinen Businessflug gesponsort bekommen. Hier und da bekommt man mal einen Eintritt geschenkt oder wird „netter“ behandelt, aber das ist dann auch schon alles. Die Anbieter werden in letzter Zeit augenscheinlich von Anfragen überrannt und sind nicht mehr bereit, so viel zu sponsorn. So jedenfalls die Aussagen mir gegenüber. Es fielen auch schon Worte wie: „Auf dieser Schiene reitet ja gerade jeder“. Für hauptberufliche Blogger wie mich ist das natürlich schade und macht die Arbeit schwer. Denn leider kann ich mir nicht jede Reise leisten, über die ich berichten möchte. Da wäre etwas Unterstützung schon schön. Doch davon nehmen viele eben jetzt Abstand und blocken ab. Generell habe ich nichts gegen sponsored travelling, solange man es dann in den Artikeln auch hervorhebt.“

blogg.de: „Was wäre Dein Lieblingsziel über das Du gerne einmal bezahlt berichten würdest?“

Antje: „Im Moment träume ich von einer Afrika-Rundreise, weil viele Senioren sich für dieses Reiseziel interessieren und ich gerne ausführlich darüber berichten würde. Ich werde zumindest sehr oft dazu gefragt. Indien und Kambodscha stehen auch hoch im Kurs. Aber finanziell kann ich mir das nicht leisten. Ich würde meinen Lesern dann gerne über Marokko, Namibia, Botswana, Kenia, Südafrika usw. berichten.“

blogg.de: „Ganz allgemein zum Thema Blogs. Wie siehst Du die Entwicklung in Sachen Blogging und Refinanzierung des Lebensunterhalts durch einen Blog?“

Antje: „Blogging allgemein finde ich eine tolle Sache. Leider habe ich gar nicht die Zeit, allen Blogs, die mich interessieren, zu folgen. Denn außer Reisen Fotografiere ich ja auch gerne, was eben auch viel Zeit in Anspruch nimmt. Ich baue nächste Woche eine Ausstellung meiner Reisefotografie ab, die mich auch gute fünf Wochen Vorbereitung gekostet hat. Von der finanziellen Belastung ganz zu schweigen. Und da kommen wir zur Refinanzierung. Leider kann ich nach ca. acht Monaten bei Weitem noch nicht davon leben. Es ist ein absolutes Zuschussgeschäft. Zumal ich das Bloggen ja ausgebaut habe auf Bücher schreiben, Fotos verkaufen, Kalender gestalten usw. Jetzt überlege ich, Senioren auf ihren Reisen zu begleiten, da ich bereits drei bis vier Anfragen zu diesem Thema erhalten habe. Bloggen macht sehr viel Spaß, aber man sollte sich immer vor Augen führen, dass Erfolgsstories von Verdiensten à la 6.000 Euro im Monat sehr rare Einzelfälle sind. Aber Bloggen macht das Leben transparenter und „ehrlicher“. Ich schaue mich auch immer wieder im Netz nach Meinungen anderer in Blogs um, damit ich mir ein besseres Bild zu einem Thema machen kann. Wie gesagt, Reiseführer und ähnliche Angebote sind gerne mal etwas „gefärbt“. Daher finde ich Bloggen eine schöne Entwicklung zum Thema Transparenz und Meinungsfreiheit.“

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