Reiseblogger: They do it for the Money

Nach der ITB 2015 haben wir mit Peter über seine Erfahrungen mit Reisebloggern gesprochen. Danach ging es auf Südamerikatour und dann noch nach Australien, die Südsee und Asien, jetzt ist Afrika dran und ich konnte  mit ihm in Kapstadt über seine Erfahrungen als Weltreisender sprechen und was er nach einem Jahr „out of the industry“ vom Thema Reiseblogger hält.

Du bist kurz vor dem Ende deiner Weltreise. Wir sitzen hier am Fuß des Tafelbergs und du siehst verdammt erholt aus. Ein paar Kilo mehr auf den Rippen und gut gebräunt. Die Weltreise hat Dir gut getan, oder?

Klar, wenn du nach vielen Jahren im Job die Möglichkeit hast herauszukommen und viele alte Connections nutzen kannst, dann ist eine Weltreise als Nicht-Rucksachtourist ziemlich erholsam. Miriam und ich sind große Teile der Reise in der Business geflogen, haben in tollen Hotels gewohnt und hatten fast keinen Zeitstress. Wir haben uns Ziele ausgesucht die für ein Paar mit mehr als 17 Ehejahren und einem Alter näher an der 60 als an der 30 auch Zeit für eine innere Einkehr geben. Wir hatten keine Lust auf Stress, wir wollten auch nicht von unterwegs arbeiten oder einen Blog befüllen.

Ihr habt es auch also einfach gut gehen lassen? Bücher gelesen, fotografiert und zu euch gefunden?

Zu uns finden klingt so esoterisch. Miriam und ich wollten einfach Abstand von Europa, von dem Berufsstress. Eben mal loslassen. Sich gegenseitig Zeit widmen. Was uns am Anfang schwer gefallen ist. Ich bin viel unterwegs gewesen, sie in ihrem Beruf auch. Wir gingen uns in den ersten Wochen ziemlich auf den Keks, und unserer Umwelt wohl auch.

Wir haben dann angefangen uns gegenseitig unsere Gedanken und Gefühle aufzuschreiben. Eine gute Lösung für uns. Mit der Dauer der Reise haben wir uns wieder deutlich verbundener gefühlt.

Bücher haben wir gar nicht so viele gelesen, aber viele Bilder gemacht. Daraus soll ein Bildband entstehen. Wir haben in Singapur einen aufgeschlossenen Verleger aus Frankreich getroffen und stehen mit ihm in einem engen Kontakt. Mal sehen was daraus wird.

Gebloggt habt ihr nicht? Oder gab es einen privaten Blog für Freunde und die Familie.

Miriam ist auf die Idee gekommen es „old school“ zu machen. Wir haben Briefe und Postkarten in die Heimat geschickt. Mails haben wir wenige versendet und auch wenige bekommen. Über den Tod eines Onkels wurden wir so informiert, aber ansonsten haben wir in wichtigen Momenten zum Telefon gegriffen, was nicht oft vorgekommen ist.

Einen Blog hatten wir am Anfang der Reise ins Auge gefasst, es aber dann gelassen.

Warum keinen Blog?

Keine Lust – Punkt.

So einfach?

So einfach. Wir wollten keine Erwartungshaltung schüren und uns nicht unter Druck setzen. Wir kommen in zwei Wochen wieder nach Hause, dann werden wir wieder in die Realität eintauchen, an unserem Buchprojekt arbeiten und dann auch wieder einen Job mit Meetings, Memos und Präsentationen anfangen.

Auf der Reise wollte ich nichts beginnen, was mich unter Druck gesetzt hätte. Eine gute Entscheidung. Zeit für die Orte haben an denen wir gewesen sind, ohne überlegen zu müssen wie ich meine Eindrücke an die Leser transportiere. Es sind meine Eindrücke, meine Gefühle. Die möchte ich dann nicht auch noch mit mir unbekannte Menschen diskutieren müssen, oder zu einer Art Reiseratgeber werden, damit mir dann andere Leute schreiben ich hätte keine Ahnung, oder dieses und jenes sei aber doch nicht so.

Reiseblogger sollten kritischer sein

Klingt sehr kritisch, in Bezug auf Reiseblogs?

In meinem alten Job habe ich viel mit Reisemarketing zu tun gehabt, viele Presseleute getroffen und später (Reise)blogger. Tolle Leute, sehr idealistisch, aber auch sehr einfältige Typen dabei.

Gerade Reiseblogger sehe ich heute kritischer. Nicht weil sie tun was sie tun, sondern weil sie nicht das tun was sie wohl mal wollten.

Die meisten Reiseblogger müssen heute, wenn sie damit Geld verdienen wollen, auch nette Artikel schreiben. Es gibt kaum kritische Reiseblogs, bzw. gar keine. Die Kritik ist dann meist so pseudomäßig, da wird dann kritisiert und ganz schnell wird das Problem gelöst.

Meine berufliche Erfahrung sagt mir aber, dass keine Airline Ersatz für einen ausgefallenen Flug in weniger als einer Woche leistet. Solche Dinge werden aber geschrieben.

Trotzdem sind Reiseblogger ein gutes Korrektiv zu den klassischen Reisejournalisten. Hier hatte sich, ähnlich wie in der Autoindustrie, eine kleine Gruppe von Journalisten zusammengefunden die relativ viel Macht hatten, bzw. auch zum Teil immer noch haben.

Reiseblogger als ausgleichendes Element zu Journalisten?

[Tweet „Reiseblogger als ausgleichendes Element zu Journalisten?“]In gewisser Hinsicht. Mit den Reisebloggern haben die Leute in den PR-Abteilungen der Unternehmen und der Destinationen eine größere Auswahl bekommen. Junge Leute kaufen keine GEO Saison mehr, die suchen ihre Infos im Netz zusammen und landen dann bei den Reisebloggern.

Es ist schon gut, wenn Reiseblogger sich unter die Anbieter von Reisegeschichten mischen. Mir ist auch noch kein Fall bekannt geworden, bei dem ein Reiseblogger vollkommen überzogene Forderungen gestellt hat, bzw. zumindest keiner der seriösen Reiseblogger. Abzocker gibt es immer, und vor allem unter den Reisejournalisten die für große Blätter geschrieben haben, als es noch nicht so viel um Compliance ging.

Nochmal zurück zu Frage der kritischen Berichterstattung, die gibt es nicht in Blogs?

Irgendwie nicht wirklich, oder? Was aber auch verständlich ist, denn auch die Reisezeitschriften haben meist nur nette Sachen in den Heften. Kritisches gibt es wenn dann zu Unternehmen, hier geht es dann um Reklamationen und solche Dinge. Kritische Destinationsbesprechungen gibt es nicht.

Reiseblogs und Travelmagazine sind eine heile Welt. Urlaub ist ein Big Business und da muss es auch nicht nur kritisch zugehen, auch wenn ich es teilweise gut finden würde.

Ich würde aber gerne nochmal auf die positiven Aspekte eingehen.

Reiseblogs haben eine gigantische Vielfalt geschaffen. Klassische Printprodukte könnten diese Vielfalt gar nicht abdecken. Es gibt so viele tolle und informative Blogs über die verschiedensten Reisearten. Mir fällt spontan die gesamte Kreuzfahrtbloggerei ein. Richtig toll mit welchem Aufwand hier Beiträge entstehen. Da haben die Reiseblogs schon einen echten Mehrwert geschaffen und dann ist es auch vollkommen in Ordnung, wenn Reiseblogger wie Journalisten zu Reisen eingeladen werden oder/und auch Geld für ihre Arbeit bekommen.

They do it for the Money

Vor ein paar Tagen habe ich den Spruch „They do it for the Money“ in einer Bar hier in den Winelands gelesen. Daran muss ich jetzt spontan denken. Ist es ok, wenn Reiseblogger es für Geld machen?

IMG_8178Logisch, daran ist auch nichts Verwerfliches. Sie sind ein fester Bestandteil der Industrie geworden. Auf der ITB werden sie umgarnt und ich würde mich nur freuen, wenn Reiseblogger sich mehr Unabhängigkeit erkämpfen. Gerade weil Reiseblogger nicht nur vom Blog leben können, bzw. es nur wenige zu 100% können, könnten sie die kritische Rolle öfter einnehmen. They do it for the money, schöner Spruch, aber wir machen es ja alle für Geld. Oder etwa nicht?

Ich denke damit liegst du nicht falsch. Zum Abschluß noch die Frage wo es nun für euch hingeht. Bleibt ihr noch am Kap, oder geht es schon bald zurück ins kalte Deutschland?

Miriam und ich bleiben noch ein paar Tage in Kapstadt. Die Stadt ist sensationell und einzigartig. Wir wollen dann die Westcoast hochfahren nach Namibia und dann geht es via Windhoek zurück nach Hamburg. Und dann heißt es auch für uns wieder „We do it for the money“. Nur mache ich es jetzt wesentlich entspannter, als in den letzten 15 Jahren, habe ich mir zumindest vorgenommen.

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9 Comments

  1. Ulrike 10. März 2016 at 14:36

    Hmm, irgendwie bleibt bei mir ein merkwürdiger Beigeschmack. Wörüber sollen Reiseblogger kritisch berichten? Und warum wird hier jemand um seine Meinung gefragt, der offensichtlich gar kein Reiseblogger ist?
    Ich denke, auf Dauer werden die Reiseblogs, die einfach nur nett über schöne Strände oder tolle Städte schreiben, auch wieder in der Versenkung verschwinden.
    Beste Grüße
    Ulrike

    1. CEB (Chief Executive Blogger) 11. März 2016 at 10:47

      Hallo Ulrike, wir haben Peter auf der ITB 2015 im Rahmen einer Bloggerveranstaltung kennengelernt. Er arbeitete damals noch im Marketing eines großen Touristikers. Er kennt sich also recht gut mit dem Thema Reisemarketing aus. Daher ist es schon spannend nicht mit einem Reiseblogger zu sprechen, sondern mit jemanden der mit Reisebloggern gearbeitet hat.

  2. Wolfgang 11. März 2016 at 8:07

    Interessantes Gespräch. Und ja, da hat er sicher (ein wenig) recht … 😉

    -> „Es gibt kaum kritische Reiseblogs, bzw. gar keine. Die Kritik ist dann meist so pseudomäßig, da wird dann kritisiert und ganz schnell wird das Problem gelöst.“

  3. Andreas 11. März 2016 at 18:19

    Wird auch irgendwo gesagt wer Peter ist?

  4. Florian 14. März 2016 at 11:58

    Peter wird ja als Touristiker vorgestellt und hat wahrscheinlich eine sehr bestimmte Perspektive auf Reiseblogs. Wahrscheinlich kennt er vor allem die Reiseblogs, die an Kooperationen mit der Tourismus-Industrie interessiert sind.

    Es gibt aber Tausende von Reiseblogs in deutscher Sprache. Das sollte man bei Verallgemeinerungen wie „Reiseblogs sind X“ oder „Reiseblogs machen Y“ bedenken.

    Ich würde behaupten mehr als 80% aller Reiseblogs haben überhaupt keine Gewinnabsicht. Die meisten Reiseblogs sind im Tagebuch-Stil für Familie und Freunde geschrieben und machen es ganz sicher nicht „for the money“.

  5. Myriam 25. März 2016 at 23:15

    Ich schreibe auch einen Reiseblog mit dem ich aber kein Geld verdiene. Nur hier und da mal eine Kooperation. Bei vielen großen Reiseblogs fehlt mir die Authentizität. Ich habe das schön am Beispiel von Marrakesch erlebt. Vor 2 Jahren wurden einige Reiseblogger nach Marrakesch eingeladen. Ich war ein paar Tage vorher privat in der Stadt. Mein Bericht weicht um einiges von den „bezahlten“ Berichten der anderen ab. Das lag. u.a. daran, dass wir auf uns allein gestellt waren und wie die normalen Reisenden unterwegs waren, die anderen hatten eine geführte Tour und wurden von A nach B gefahren usw. Außerdem wurde auch wieder „krampfhaft etw. psyeudomäßiges negatives“ gesucht.
    Also Reiseblogger ist nicht gleich Reiseblogger.
    Gruß Myriam

    1. CEB (Chief Executive Blogger) 26. März 2016 at 7:37

      Das ist einer der größten Unterschiede. Bei den bezahlten Touren wird ein Land eben perfekt inszeniert für die Blogger.

  6. helga 5. September 2016 at 12:56

    ich sehe bei vielen Destinationen durchaus kritische Sachen und erwähne es auf meinem Blog. Vor allem in Sachen Unfreundlichkeit, Abzocke, Belästigung und Tierschutz schreibe ich, was ich denke. Nur macht es den Blog einfach irgendwie unsympathisch, wenn mann seitenlange Kritiken über ein Land/Destination schreibt. Es erscheint kleinlich und zeugt von einer Offenheit eines Pauschaltourists. Warum reist man, wenn man dauernd an den Destinationen was auszusetzten hat? Macht ja auch kein Sinn.