Ferragnigate, oder wenn die F.A.Z. gegen Influencerinnen wettert

Journalisten haben gerne die Deutungshoheit über das was richtig und falsch ist. Richtig ist, wenn eine Journalistin einen gut bezahlten Job als Redakteurin bei einer angesehenen deutschen Tageszeitung hat, und sich darüber aufregen darf, wenn eine sehr erfolgreiche Influencerin ein Kind bekommt und die ihr zur Verfügung stehenden Kanälen nutzt um mit ihren Followern weiterhin in Kontakt zu bleiben und sich neue Zielgruppen erschließt.

Falsch ist, was die Influencerin macht. Sie verwertet ihr Kind bereits vor der Geburt, so lautet der Vorwurf von Johanna Dürrholz in der F.A.Z. gegen die erfolgreiche Influencerin Chiara Ferragni.

Für Frau Dürrholz ist die perfekte Vermarktungsmaschinerie ein narzisstisches Verhalten, welches schon beim öffentlichen Hochzeitsantrag begann und mit dem Bild nach der Geburt auf Instagram endete.

Sicherlich ist es diskutierbar, ob es notwendig ist sich so in der Öffentlichkeit zu inszenieren, aber warum kritisiert Frau Dürrholz dann ausgerechnet eine erfolgreiche Influencerin und beschwert sich nicht über die öffentliche Inszenierung der Geburt des zweiten Kindes des Frankfurt OB Feldmann in einem der Schwesterblätter der F.A.Z. Politiker dürfen ihre Wickeltische und Gefühle zeigen, aber Influencer eben nicht?

Es ist doch eher der alte Reflex, den wir Blogger schon seit Anbeginn des Aufstiegs der Bloggerszene in Deutschland kennen, als die wirkliche Kritik am Verhalten von Chiara Ferragni. Was Schauspieler, Politiker und Sportler schon immer tun, nämlich sich und ihr Leben an die bunten Blätter verkaufen, ist dann nicht mehr statthaft, wenn ein Influencer die Mechanismen der Medien zu perfekt nutzt und damit dazu beiträgt, dass der über Tarifverträge abgesicherte Job hinter einem Redaktions-PC eventuell doch einmal ins Wanken geraten könnte. Einfach weil es hier, in diesem Internet, Menschen gibt die sich eben der Zeit angepasst haben und besser mit den Massen umgehen können als es die F.A.Z., mit ihren über Jahren sinkenden Auflagen , kann.

Was Frau Dürrholz fehlt ist der nötige Respekt vor der Lebensleistung von Chiara Ferragni, die sich eben treu bleibt, als Single oder als Mutter. Beim Zukkermädchen gibt es dazu noch ein paar sehr gute und offene Worte, welche ich Euch ebenfalls empfehlen möchte.

 

 

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