Reisebloggermontag: Von Schreibblockaden, Katzenbetreuung und Fernreisen

Vollzeitjob und immer auf Achse – wie geht das? Eine Frage mit der sich Reiseblogger intensiv beschäftigen, häufig gestellt bekommen und auch bei uns am Reisebloggermontag schon oft beantwortet haben. Über das Problem, was mit den lieben Haustieren wird, wenn Herrchen oder Frauchen mal wieder die Welt entdeckt, lesen wir bei Tanja von www.reiseaufnahmen.de zum ersten Mal. Was sie dazu sagt, erfahrt ihr im blogg.de-Interview; ebenso von ihrer Erfahrung mit Schreibblockaden und dem Vorsatz einer jährlichen Fernreise.

Reisebloggerin Tanja (c) reiseaufnahmen.de
Reisebloggerin Tanja (c) reiseaufnahmen.de

blogg.de: „Liebe Tanja, Dein Blog www.reiseaufnahmen.de besteht seit einem Jahr, ist damit noch recht jung – aber erfolgreich. Was ist Deine ‚Strategie‘ für erfolgreiches Blogging?“

Tanja: „Das mit dem ‚erfolgreich‘ nehme ich gerne als Kompliment – danke! Es gibt ja eine unglaublich wachsende Zahl an Blogs, Online-Kursen und Programmen, die versuchen, genau diese Strategie Bloganfängern zu vermitteln. In Kürze würde ich sagen, dass für mich folgendes am Besten funktioniert: Ehrlichkeit und Authentizität, Spaß an dem was ich tue und eine gewisse Kontinuität und Verlässlichkeit. Der Spaß ist wichtig, um dabei zu bleiben und sich immer neu anzuspornen. Der Rest ist eine wichtige Basic, die erfüllt sein sollte und hilft eine gute Beziehung zu den Lesern aufzubauen.“

blogg.de: „Zu Beginn fiel dir das Schreiben schwer. Woran lag das? Heute finden wir auf Deinem Blog etliche Artikel zu den unterschiedlichsten Reisethemen. Wie hast Du die Blockade gelöst? Hast Du Tipps für Blogger, denen es ähnlich geht?“

Tanja: „Schreibblockaden kann eigentlich nur der Schreibprozess selbst lösen. Es gibt viele Theorien, die sagen, wenn man eine Sache 10.000 Stunden macht, dann lernt und beherrscht man diese. Ich habe früher schon viel geschrieben, durch einen Jobwechsel habe ich es dann aber wieder schleifen lassen. Mit meinem Blog einfach mit dem Schreiben anzufangen und dran zu bleiben, das hat es jeden Tag leichter gemacht. Wobei ich auch heute noch Tage habe, an denen die Wörter nicht passen wollen und ein Text nicht in den Fluss kommen möchte. Dann widme ich mich einer anderen Blogaufgabe oder mache auch mal eine Blogpause. Am nächsten Tag läuft es dann meist wieder besser. Sehr lehrreich sind in diesem Zusammenhang übrigens auch die sogenannten Morgenseiten. Diese Theorie empfiehlt morgens täglich 700 Wörter aufzuschreiben. Auch so kann man seinen Stil finden und verbessern.“

blogg.de: „Kommentare von Usern liegen Dir besonders am Herzen. Wie gehst Du mit kritischen Stimmen um?“

Tanja: „Ich bin noch in der glücklichen Situation, dass kritische bisher Stimmen ausblieben. Kommen welche, ist es glaube ich wichtig die Perspektive des Kritikers einzunehmen. Ein Blog ist ja etwas sehr persönliches und damit subjektives. Gelingt es mir den Blick meines Gegenübers einzunehmen, kann ich für die andere Seite Verständnis haben und entsprechend reagieren. Momentan bleibt mir nur die Daumen zu drücken, dass mir genau dieser Perspektivenwechsel gelingt, sobald ein kritischer Kommentar kommt.“

blogg.de: „Anknüpfend an Deine Reihe ‚Wohin reisen im …?“, fragen wir doch mal nach Deinen Tipps für Mai. Wo soll die Reise im Wonnemonat hingehen und von welchen Zielen rätst Du ab?“

Tanja: „Der Mai ist wirklich ein Wonnemonat. In keinem Monat ist es mir so schwer gefallen, mich auf wenige echte Empfehlungen zu beschränken. Komplett Europa wird jetzt zum Traumziel. Die ersten stabileren Wetterlagen setzen ein und es ist noch nicht so voll wie in den Sommerferien. Zudem bietet der Mai Berufstätigen wie mir viele Feiertage, die sich für verlängerte Wochenenden nutzen lassen. Ein perfekter Reisemonat also. Empfohlen habe ich in meiner Serie in diesem Monat Andalusien und Namibia. Andalusien, weil ich selbst Ende Mai im vergangenen Jahr da war und ich es als perfekt empfand. Auf Namibia hat mich eine Reisebloggerkollegin gebracht und das Klima und die Vorsaison sprechen absolut dafür. Eher ungeeignet sind jetzt Reisen nach Neuseeland und viele asiatische Länder wie Laos, Myanmar und Co. Dort ist jetzt Regen- bzw. Winterzeit. Und für so ein Wetter, muss man sicher nicht verreisen.“

Seit 2009 machst Du jedes Jahr eine Fernreise. Nach welchen Kriterien wählst Du Deine Destinationen aus und wohin verschlägt es Dich dieses Jahr?

Tanja:
„Ich habe eine Liste von gefühlt 100ten Reisezielen in meinem Kopf. Zu den Zielen komme ich immer auf unterschiedliche Art und Weise, mal durch einen Blog, mal durch Freunde oder auch schnöde durch ein Angebot. Im Hinterkopf habe ich immer, dass ich eines Tages gerne auf jedem Kontinent einmal gewesen sein möchte. Für dieses Jahr ist noch keine Fernreise gebucht. Ich warte aktuell noch auf ein schönes Flugschnäppchen. Zuerst hatte ich mit den USA geliebäugelt, aber der Dollarkurs ist mir gerade zu schlecht. Obwohl die Gegend um Oregon bis hoch nach Kanada perfekt sein muss. Nun drücke ich die Daumen, dass es mich vielleicht nach Myanmar, Thailand oder Südafrika verschlägt. Diese Ziele würde ich sehr, sehr gerne einmal bereisen. Theoretisch müsste ich die Antarktis oder Südamerika bevorzugen, da beide Kontinente in meiner Liste der bereisten Fernziele noch fehlen. Die Antarktis ist mir aber zu teuer und Südamerika ist der einzige Kontinent von dem ich noch ziemlich ahnungslos bin, wo ich anfangen soll.“

blogg.de: „Hand auf’s Herz: Wo hast Du bisher die eindrücklichsten Reiseerinnerungen gesammelt?“

Tanja: „Nach jeder Reise beantworte ich die Frage eigentlich mit dem letzten Ziel. Ich nehme jetzt einfach das Land, das in mir die größte Sehnsucht auslöst, wenn ich daran denke. Das ist Neuseeland. Ich habe es mit einem Camper bereist und war überrascht wie vielfältig und doch immer wieder schön die Landschaft ist. Fahre ich hier die Autobahn von Karlsruhe nach Berlin verändert sich die Landschaft kaum. In Neuseeland sieht innerhalb von einer zweistündigen Strecke plötzlich alles neu und anders aus. In einem Moment sitzt man am Meer, im nächsten an einem Bergsee, um schon bald darauf zauberhafte, fast verwunschene Wälder zu erkunden. Unglaublich. Ich bin eigentlich nicht so der Landschaftsfan gewesen. Aber seit Neuseeland bin ich ein echter Naturfan.“

Neuseeland, Lake Pukaki (c) reiseaufnahmen.de
Neuseeland, Lake Pukaki (c) reiseaufnahmen.de

blogg.de: „In der Kategorie ‚Über mich‘ sprichst Du ein Problem an, von dem wir gerade zum ersten Mal lesen, das aber sicherlich eine Reihe von Reisebloggern betrifft. Was wird aus den geliebten Haustieren, wenn Herrchen oder Frauchen mal wieder die Koffer packt? Wie stellst Du sie Versorgung Deiner beiden Katzen sicher?“

Tanja: „Das es das Thema nicht häufiger gibt, das hat mich zuletzt auch sehr gewundert. Nach einem Umzug wurde auch für mich die Betreuungsfrage komplexer. Bei Katzen ist es nämlich am Schönsten, wenn diese in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können. Ich brauche also eigentlich am Besten jemand, der bei mir einzieht. Bisher hat die Betreuung dahingehend gut geklappt. Aber eine vierwöchige Neuseelandreise ist da natürlich eine Herausforderung, die es organisatorisch zu lösen gilt. Um dem Thema mal auf den Zahn zu fühlen, gibt es demnächst einen Round-Up Post auf meinem Blog. Die Frage nach der Betreuung der Katzen habe ich dort einigen Bloggern gestellt und bin schon sehr auf die Antworten gespannt.“

blogg.de: „Warum bloggst Du? Du könntest schließlich genauso gut einfach durch die Welt fahren, die Bilder im Kopf haben und sie dort lassen – warum so öffentlich?“

Tanja:
„Der Blog war eigentlich eine Art Therapie für mich. Ich bekenne mich der Reisesucht für schuldig. Wenn ich nicht gerade gereist bin, dann musste ich mich sofort mit einem neuen Ziel beschäftigen um zufrieden und glücklich durch den Alltag zu kommen. Da mir für meine Reisen aber nur 30 Urlaubstage zur Verfügung stehen und standen, war das nicht immer so einfach. Der Blog sollte die Zeit dazwischen verkürzen. Heute ist er aber viel mehr. Ich freue mich, wenn ich anderen Reisenden mit meinen Tipps und Erfahrungen helfen kann. Außerdem habe ich viele tolle andere Reiseblogger kennen gelernt, die mich inspirieren und die ich sehr zu schätzen gelernt habe. Der Kontakt wäre noch schöner, würde ich auf deren Blogs nicht immer ständig neue Reiseziele entdecken, die ich gerne bereisen würde.“

blogg.de: „Viele Blogger widmen sich dem Travelblogging, weil es dafür vermeintlich auch Übernachtungen in Luxushotels und Business-Class-Flüge gibt. Wie sieht es bei Dir mit dem ‘Sponsored travelling’ aus?“

Tanja: „Wer das Bloggen nur wegen Gratisdingen anfängt, der hat nur eine kleine Chance auch an seinem Ziel anzukommen. Am Ende jobbt man besser irgendwo nebenbei und zahlt seine Reisen selbst, da kommt man schneller und einfacher zum Ziel. Zumal man sich bei „Sponsored Travelling“ die Ziele nicht unbedingt aussuchen kann. Ich hatte mittlerweile auch die ersten Reisen, die teils gesponsered waren. Wenn ich Zeit habe und mich das Ziel für das ich angefragt werde reizt und ich glaube, dass es für meine Leser interessant sein kann, dann halte ich das für durchaus eine gute Möglichkeit an zusätzliche Inhalte für meinen Blog zu kommen. Wichtig ist dabei, dass man sich nicht verbiegt und dass man ehrlich bleibt. Ich halte mich dabei immer an den Reisebloggerkodex, dann kann ich solche Reisen auch gut vertreten.“

blogg.de: „Was wäre Dein Lieblingsziel über das Du gerne einmal bezahlt berichten würdest?“

Tanja: „Wie bei vielen Bloggern ist das wohl eine Expedition in der Antarktis. Diese Reisen sind sehr, sehr teuer und bedeuten lange sparen und auf viele Reisen zu verzichten, bis man sich eine solche Reise gönnen und leisten kann. Aber ich kann nicht auf Reisen verzichten. Ich muss soweit möglich meine 30 Tage im Jahr verreisen. Dementsprechend wäre es natürlich schön, sich dahin einladen zu lassen und so die Antarktis doch noch zu sehen.“

blogg.de: „Ganz allgemein zum Thema Blogs. Wie siehst Du die Entwicklung in Sachen Blogging und Refinanzierung des Lebensunterhalts durch einen Blog?“

Tanja:
„Ich bewundere jeden der das kann und schafft. Wer sein Blog als Business sieht und dem es gelingt, seine Person als Marke aufzubauen und darüber hinaus helfende Produkte zu verkaufen, der kann es in dem Metier glaube ich auch zu Geld bringen. Mir wäre das zu anstrengend. Ob die Liebe zu meinem Blog noch so groß wäre, wenn er mich ernähren müsste, das wage ich zu bezweifeln. Aber ich lasse mich gerne vom Umfeld der Digitalen Nomaden inspirieren, weil viele tolle Denker und vor Begeisterung sprühende Menschen, dort zu finden sind. Das tut mir gut und treibt mich an. Und ich gönne den Erfolg jedem der es schafft.“

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