Reisebloggermontag SPEZIAL: Mut zeigen, Armut bekämpfen! #ONE

Am heutigen Reisebloggermontag haben wir gleich zwei Posts für Euch (Hier geht’s zum Bericht ‚So geht Welnessbummeln‘), denn der Blog von Anna Epah liegt uns besonders am Herzen. Die 19-jährige Studentin setzt sich ein gegen extreme Armut. Im Netz schreibt sie von ihrem ehrenamtlichen Praktikum in den Slums von Manila und über ihre aktuelle Aktion als Jugendbotschafterin der Organisation ONE.

Anna sammelt Unterschriften für die Online-Petition zum Projekt ‚Mut2015‘, die am G7-Gipfel am 7. und 8. Juni vorgelegt wird. Worum es genau geht, erfahrt ihr im Interview.

blogg.de: „Liebe Anna, Du hast Deinen Blog gestartet, nachdem Du von einem Freiwilligeneinsatz auf den Philippinen zurückgekommen bist, richtig? Erzähl uns mehr davon!“

Anna: „Naja also eigentlich habe ich meinen Blog schon vor Beginn meiner Reise gestartet, um Familie und Freunde auf dem Laufenden zu halten. Später als ich zurück in Deutschland war, habe ich ihn veröffentlicht, um mit noch mehr Menschen meine erlebten Geschichten und Eindrücke zu teilen.

Zwei Scheiben Toastbrot: Anna mit einem Mädchen aus Manila (c) annaepontour.wordpress.com
Zwei Scheiben Toastbrot: Anna mit einem Mädchen aus Manila (c) annaepontour.wordpress.com

Ich habe für vier Monate (von September bis Dezember 2014) ein ehrenamtliches Praktikum bei der christlich-humanitären Hilfsorganisation Metro World Child gemacht. Auf den Philippinen hat sie ihren Sitz in der Hauptstadt Manila. Zu meinen Aufgaben als Praktikantin gehörten diverse kreativ-praktische Aufgaben wie der Aufbau eines überdimensionalen ‚Super Mario‘-Spielfelds oder die Sanierung von alten Möbelstücken. Außerdem habe ich im Büro gearbeitet und wöchentlich Kinder in den Slums von Tondo (Stadtteil von Manila) zuhause besucht. Hierbei konnte ich in ihre Welt eintauchen und sie auch mit Lebensmitteln oder Schulsachen versorgen. In Tondo haben wir außerdem jeden Samstag die ‚Sidewalk Sundayschool‘ veranstaltet, wofür wir dann z.B. in der ‚Mario-Week‘, das überdimensionale Spielfeld brauchten. Während der Sonntagsschule, bei der pro Ort im Schnitt 300-600 Kinder Teil nahmen, haben wir mit den Kindern getanzt, gesungen und und coole Spiele ausgedacht. Zudem haben wir Theaterstücke vorgetragen, und spannende wie hoffnungsvolle Geschichten aus der Bibel erzählt, um den Kindern zu zeigen, dass auch ihr Leben Zukunft hat. Anschließend hat jedes Kind zwei Scheiben Weißbrot bekommen – mehr war leider nicht drin.“

blogg.de: „Wie dürfen wir uns Manila vorstellen? Skizziere uns doch bitte ein Bild.“

Anna: „Manila ist für mich eine Stadt der krassen Gegensätze. Eine ziemlich verstaubte Millionenmetropole, in der philippinische Kultur auf amerikanische Großstadtmoderne trifft sowie unglaubliche Armut auf unfassbaren Reichtum. Je nach Stadtgebiet findet man sich umringt von sauberen Straßen und luxuriösen Feinschmecker-Resteraunts oder hungernden Kindern auf Müllbergen wieder.
Davon abgesehen ist der Verkehr eine ziemliche Katastrophe.“

blogg.de: „Kannst Du uns die Organisation Metro World Child kurz vorstellen?“

Anna:Metro Wolrd Child wurde 1980 von Pastor Bill Wilson in Bushwick, einem der schlimmsten Bezirke von Brooklyn, New York, gegründet. MWC ist mittlerweile weltweit aktiv (Indien, Philippinen, USA, Kenia, Rumänien, Südafrika…) und versucht Mädchen und Jungen, die in den Slums und Ghettos dieser Welt aufwachsen, Zukunft und Perspektive zu geben. Durch wöchentliche Sonntagsschulprogramme, besondere Angebote wie Feriencamps und durch wöchentliche, persönliche Besuche zu Hause erreichen sie die Kinder.

Die „Sidewalk Sunday School“ ist mittlerweile die größte Sonntagsschule der Welt, an der im Schnitt pro Woche weltweit insgesamt ca. 100.000 Kinder teilnehmen. Die Botschaft lautet: ‚Du bist wertvoll und von Gott unendlich geliebt‘. Neben den seelischen Nöten will MWC aber auch vor allem den materiellen Notlagen der Kinder begegnen. Ortsgebunden, also an die jeweilige Lebenssituation der Kinder angepasst, versuchen die Mitarbeiter die Kinder mit Schulmaterial, Kleidung, Lebensmittel und sauberem Wasser zu versorgen. Das Besondere dabei ist, dass sie durch die wöchentlichen Hausbesuche auf jedes Kind einen individuellen Blick werfen können. Darüber hinaus nimmt MWC Kinder, die regelmäßig an den Sonntagsschulprogrammen Teil nehmen, in ein Patenschaftsprogramm auf. So bekommen die Kinder die Möglichkeit, an einen Sponsor im Ausland vermittelt zu werden , der sie mit rund 30 Euro im Monat unterstützt und Briefkontakt hält. Viele Kinder, die sich den Schulbesuch sonst nicht leisten könnten, haben so die Chance auf Bildung.“

Anna in Manila
Anna in Manila (c) annaepontour.wordpress.com

blogg.de: „Wie hast Du Dich gefühlt, als Du wieder Deutschen Boden unter den Füßen hattest? Wie hat der Aufenthalt Deine Sicht auf die Welt verändert?“

Anna: „Sehr komisch. Alles war irgendwie vertraut und doch so fremd. Ich kam einige Tage vor Weihnachten nach Hause und musste erstmal damit klarkommen, dass alle um mich herum in einem totalen Konsumrausch waren. Alle haben mehr als sie brauchen und sind trotzdem nicht glücklich.
In den ersten drei Monaten fiel es mir sehr schwer, mein Leben hier, mit dem Leben der Kinder in Manila, die mir so ans Herz gewachsen sind, zu vereinen. Zeitweise wurde ich auch etwas depressiv. Mein Aufenthalt hat mir deutlich vor Augen geführt wie unglaublich gut es mir geht und was es für ein Privileg ist, in Deutschland aufwachsen und leben zu können. Mein 20 m² großes Zimmer, das ich früher immer als zu klein empfand, gleicht für mich mittlerweile einer Art Luxussuite. Ich bin um einiges dankbarer geworden und meckere nicht mehr so viel wie früher. Ich kreise nicht mehr so viel um mich selbst und habe ein stärkeres Bewusstsein dafür bekommen, dass diese Welt nicht nur mir und ein paar wenigen anderen gehört. Außerdem ist mir mehr denn je aufgefallen, wie sehr wir reiche Menschen dieser Erde mit Materialismus zu kämpfen haben und wie wir darüber unseren Lebensstandard und unser Selbstwertgefühl definieren. Das macht mich traurig.“

blogg.de: „Klar, ein Freiwilligeneinsatz ist etwas völlig anderes als Urlaub. Hattest Du dennoch die Möglichkeit etwas vom Land zu sehen?“

Anna: „Das Praktikum hatte einen sehr straffen Zeitplan und wir hatten bis auf einen freien Tag in der Woche wenig Freizeit. Als etwa die Hälfte des Praktikums vorbei war, bekamen wir aber mal drei Tage frei, die ich mit drei Kolleginnen dazu nutzte, ein bisschen die Gegend zu erkunden. Einen Tag verbrachten wir in der ‚Mall of Asia‘, eine der bekanntesten Einkaufszentren auf den Philippinen, direkt an der Manilabucht. An diesem Tag habe ich mich wie ein echter Tourist gefühlt und den mir von zu Hause vertrauten Luxus sehr genossen – auch wenn ich im Hinterkopf das paradoxe Wissen hatte, dass ich die Slums mit dem Auto in einer knappen halben Stunde locker erreichen könnte.

Den anderen Tag verbrachten wir an einem abgelegenen Strandabschnitt außerhalb der Stadt. Endlich konnte ich ein bisschen etwas von der atemberaubend schönen Natur der Philippinen sehen. Dank Verkehr und Autopanne brauchten wir knapp 11 Stunden für Hin- und Rückweg, wodurch der ganze Ausflug zu einem witzigen Abenteuer wurde. Am Meer hatten wir dann leider nur drei Stunden Zeit. Für eine kurze Bootstour zu Korallenriffen und das Betrachten von Seesternen aus nächster Nähe hat es aber dann trotzdem gereicht.“

blogg.de: „Warum liegt Dir das Thema weltweiter Armut so sehr am Herzen?“

Anna: „Ich glaube, ich kenne mittlerweile einfach zu viele Menschen, die davon betroffen sind. Schon als Kind habe ich mir viele Gedanken über das Thema Armut gemacht. Der Großteil meiner Verwandtschaft lebt in Kamerun und ist auf die finanzielle Unterstützung meiner Eltern angewiesen. Meine beiden kamerunischen Adoptivgeschwister haben schon im Grundschulalter ihre Eltern aufgrund einer unbekannten und leider auch unbehandelten Krankheiten verloren. Ganz zu schweigen von den vielen Kindern und Familien, die ich auf den Philippinen kennen gelernt habe! Zu sehen, wie sie leben, hat mir – so kitschig wie das klingt – einfach das Herz gebrochen. Außerdem richte ich als Christin mein Leben nach Jesus Christus aus, der uns mehr als einmal dazu auffordert, den Armen und Schwachen bei Seite zu stehen und ihnen zu helfen. Dabei ist mir mein Glaube Motivation und Hoffnung zugleich.“

blogg.de: „Kannst Du Dir vorstellen, wieder freiwillig im Ausland tätig zu sein? In welchen Länder zieht es Dich?“

Anna: „Auf jeden Fall! Ich kann es kaum erwarten, wieder mit anpacken zu können. Zur Zeit stehen Sierra Leone, Uganda, der Tschad, Thailand und Kambodscha auf meiner Liste. Mal sehen …“

blogg.de: „Du setzt Dich weiterhin gegen extreme Armut ein. Was machst Du genau und wie sieht Dein aktuelles Projekt aus?“

Anna als ONE-Jugendbotschafterin (c) blogg.de
Anna als ONE-Jugendbotschafterin (c) blogg.de

Anna: „Seit Februar bin ich ehrenamtliche Jugendbotschafterin bei der entwicklungspolitischen Lobby- und Kampagnenorganisation ONE, die in Deutschland u.a. von U2-Sänger Bono gegründet wurde. Gemeinsam mit 49 anderen Jugendbotschaftern versuche ich Einfluss auf die deutsche Entwicklungspolitik zu nehmen, um beispielsweise mehr Gelder für Bildung oder Gesundheitssysteme zu erwirken. Wir erreichen das durch Druck auf Politiker, Präsenz bei wichtigen Treffen, wie dem diesjährigen G7-Gipfel, und in den Medien.

Im Rahmen unserer diesjährigen Kampagne MUT 2015 haben wir dabei vor allem Angela Merkel im Visier. Dieses Jahr ist sie Gastgeberin des G7-Gipfels, der im Juni im bayrischen Schloss Elmau nähe München stattfindet. Bei diesem Treffen der Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Wirtschaftsnationen kann sie dafür sorgen, dass die G7 im Kampf gegen extreme Armut Mut beweisen. Dazu gehört z.B., dass sie ihre Versprechen geben bzw. erneuern, 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommen für Entwicklungspolitik zu verwenden. Auch sollen sie sich mehr für die Rechte von Frauen und Mädchen einsetzen, die unter extremer Armut meist doppelt zu leiden haben.

Um Menschen als Mitunterstützer und Unterzeichner unserer Petition auch in meinem Heimatort zu gewinnen, habe ich mit einigen Helfern Plakate wie diese entworfen:

Vergrößern? Klick auf’s Bild!

Sie sollen zum Nachdenken anregen und zum Kampf gegen extreme Armut aufrufen, den man durch das Unterzeichnen der Petition ganz einfach unterstützen kann.“

blogg.de: „Was dürfen die Leser in Zukunft auf Deinem Blog erwarten?“

Anna:
„Ich habe mir vorgenommen, noch einige meiner Manila-Erlebnisse nachträglich aufzuschreiben und von dem alltäglichen Leben dort zu berichten. Ich möchte z.B. von Hannah (Name geändert) erzählen, die vor lauter Hunger einen leeren Maiskolben aus dem Müll fischte, um anschließend noch die letzten Reste an ihm abzunagen. Oder von Luke (Name geändert), der vor Freude, endlich einen Sponsor zu haben, mit einem Dauergrinsen auf und ab hüpfte. Außerdem werde ich von meinen Jugendbotschafter-Aktionen (werde z.B. während des G7-Gipfels mit ONE in München sein) berichten und ganz bald hoffentlich auch von meinen nächsten Reisen, von meinem Leben unterwegs. Es bleibt auf alle Fälle spannend!“

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