Reisebloggermontag: Reisen mit Kindern? Kein Problem!

Es gibt Paare, denen es davor graut, mit der eigenen Brut auf Reisen zu gehen. Verständlich, wenn schon auf der Fahrt in die nächstgelegene Stadt gequengelt wird was das Zeug hält.“Das muss nicht sein!“, weiß Bloggerin Antje. Im blogg.de-Interview verrät sie, wie ein Familienurlaub für Eltern und Kind zur fabelhaften Unternehmung wird und die lästige Anreise erfolgreich gemeistert werden kann.

blogg.de: „Liebe Antje, Du bloggst auf meehr-erleben.de über Reisen mit Kindern. Stell uns doch zuerst einmal Deine Familie vor.“

Reisebloggerin Antje Gerstenecker (c) meehr-erleben.de
Reisebloggerin Antje Gerstenecker (c) meehr-erleben.de
Antje: „Zu unserer Familie gehören mein Mann Chris, unsere beiden Kinder (11 und 8 Jahre alt) und meine Wenigkeit. Der Blog ist inzwischen zu einem kleinen Familienunternehmen geworden. Mein Mann kümmert sich um die Technik und schreibt vor allem über Aktiv-Themen, unsere Tochter schildert in ihren Blogbeiträgen ihre Sicht der Dinge und unser Sohn fotografiert mit Begeisterung.“

blogg.de: „Reisen mit Kind ist Deiner Meinung nach nicht unmöglich, aber anders. Wie hast Du Dich vor und während Eures ersten Familienurlaubs gefühlt?“

Antje: „Ich muss gestehen, ich habe mir vorher gar nicht groß Gedanken darüber gemacht. Für mich gehörte Reisen irgendwie immer dazu. Ich habe viele Jahre im Ausland gelebt und war sowohl privat als auch beruflich viel unterwegs. Also war klar, dass wir weiter reisen – auch mit Kindern.

Unsere erste Reise mit unserer damals etwa 4 Monate alten Tochter führte uns für eine Woche an den Gardasee. Das Programm und die Unterkünfte haben wir so ausgewählt wie bei unseren Reisen ohne Kind – inklusive Quartierwechsel und Ausflügen. Wir übernachteten erst in einer mittelalterlichen Burg und dann in einer kleinen Wohnung hoch über dem See, machten Tagesausflüge nach Venedig und Verona und erkundeten zahlreiche Dörfchen rund um den Gardasee. Unsere Tochter entpuppte sich als sehr entspanntes Reisebaby. Im Auto schlief sie meist schnell ein und die Fahrten verliefen problemlos. Wir hatten unser eigenes Reisebettchen dabei, in dem sie sich offensichtlich sehr wohl fühlte und auch die Hotelwechsel nicht übel nahm. So im Nachhinein muss ich schon schmunzeln, wie viel Gepäck wir dabei hatten. Den riesigen Kinderwagen, Babybett, Krabbeldecken, Spielzeug, Sonnenschirm, Wechselklamotten – von allem viel zu viel. Die Hälfte hätte locker auch gereicht. Dass Venedig nicht so ein ideales Ziel mit einem Baby im Kinderwagen ist, wurde uns spätestens nach der fünften Treppe über einen der Kanäle klar. Aber wo ein Wille ist, da ist meist auch ein Weg!“

blogg.de: „Reisen mit Kindern können wir und in der näheren Umgebung oder im zweiwöchigen Club-Urlaub durchaus entspannt vorstellen. Du bist aber auch für Städtereisen ins europäische Ausland und Fernreisen in die USA, Karibik oder nach Afrika offen. Wie laufen solche Unternehmungen möglichst problemlos ab, sodass Eltern und Kinder gleichermaßen profitieren?“

Antje: „Ich glaube nicht, dass die Entfernung des Reiseziels oder das Reiseziel selbst der Grund dafür sind, ob ein Urlaub entspannt wird oder nicht. Wichtig ist, ein Ziel zu finden, das zu der Familie passt.
Wichtig ist, mehr Zeit einzuplanen und nicht stur einem vorher festgelegten Programm folgen zu wollen. Mit Kindern macht es oft viel mehr Sinn, sich einfach ein bisschen treiben zu lassen und spontan zu entscheiden wie das Programm weiter geht. Das Spannende dabei ist, dass man ganz andere Dinge entdeckt, die man so gar nicht erwartet hat. Die Erwartungen sind noch so ein Punkt. Je höher man die Erwartungen schraubt, desto größer ist nachher die Enttäuschung, wenn etwas anders läuft als geplant. So sollte man sich bei einem Museum beispielsweise nicht vornehmen, alles bis ins kleinste Detail zu erkunden, sondern sich lieber auf einen Teil konzentrieren.

Natürlich ist gerade bei Reisen in andere Länder oder gar Fernreisen eine gute Vorbereitung wichtig. Gerade wenn man mit kleinen Kindern oder Babys unterwegs ist, sollte man vorher klären, was es vor Ort gibt und was man unbedingt mitnehmen sollte. (Stichworte: Babynahrung, Windeln, Sonnencreme, Medikamente, Mückenschutz etc. – gerade bei diesen Dingen sollte man im Zweifel die Produkte mitnehmen, von denen man weiß, dass das Kind sie verträgt).

Mit der Zeit findet man heraus, welche Urlaubsart zu der Familie passt. Insgesamt glaube ich, dass man mit Kindern auf Reisen viel mehr mitmachen, als man erst einmal glaubt. Deshalb ist es so wichtig, sich zwar langsam heranzutasten, aber eben doch immer wieder neues auszuprobieren.“

blogg.de: „‚Sind wir bald da?‘ – Wer Kinder hat kennt die Frage nur zu gut. Hast Du Tipps für lange Anreisen aus Lager?“

Antje: „Oh je, die Fahrten… – das ist in der Tat ein schwieriges Thema, vor allem wenn man Kinder an Bord hat, denen auf der Fahrt auch noch schlecht wird, d.h. für die das Entertainment-Programm mit Displays aller Art, Lesen oder Malen wegfällt. Wir behelfen uns mit Hörbüchern. Zurzeit ist Harry Potter hoch im Kurs – die Komplett-Ausgabe läuft knapp 137 Stunden – das reicht für viele Fahrten – und das Schönste ist, dass diese Hörbücher Kindern und Eltern gleichermaßen gefallen.“

blogg.de: „Eine andere Variante von Reisen mit Kindern ist die des alleinreisenden Sprößlings. Ab welchem Alter und in welchem Rahmen würdest Du Deine Kinder ohne Deine Begleitung losschicken?“

Antje: „Das ist schwer zu sagen und kommt auf die jeweilige Situation und natürlich das Kind an. Die Entscheidung sollte eigentlich das Kind treffen, ob es „alleine“ reisen möchte oder nicht. Wobei „allein“ natürlich relativ ist. Ohne entsprechende Betreuung würde ich mein Kind natürlich nicht losschicken. Ob Waldheim, Sprachreise oder Schülerausstausch – im Normalfall sind die Kinder in Gruppen unterwegs und werden betreut. Spätestens in der 5. Oder 6. Klasse steht der erste Schullandheim-Aufenthalt auf dem Programm und man muss sich mit dem Gedanken anfreunden, dass das Kind „alleine“ die Welt erobert.“

blogg.de: „Typisch für ältere, alleinreisende Kinder sind Sprachreisen. Was rätst Du Eltern, die angesichts des riesigen Angebots nicht wissen, wo sie buchen sollen und was danach auf sie zukommt?“

Antje: „Es ist gar nicht so einfach, sich einen Überblick über das Angebot zu verschaffen. Im Idealfall findet man durch eine Weiterempfehlung von Bekannten ein Angebot, das zum Kind passt. Prinzipiell würde ich immer ein Angebot bevorzugen, das in einem Land stattfindet, in dem die Sprache auch gesprochen wird. So hören die Kinder die Sprache auch im Alltag, gewöhnen sich an die Sprachmelodie und werden immer wieder damit konfrontiert, die Sprache auch außerhalb des Unterrichts anzuwenden. Bei jüngeren Kindern (10 – 13 Jahre) würde ich ein Sprachcamp bevorzugen, das nicht nur Unterricht anbietet, sondern auch täglich Freizeitaktivitäten und Betreuung im Programm hat. Unsere Tochter war in so einem English Adventure Camp als sie 10 Jahre alt war und schwärmt noch immer davon. Ich konnte mir selbst einen Eindruck von dem Camp verschaffen und war beeindruckt, wie gut und vielfältig das Angebot war.“

blogg.de: „Deine zweite Heimat ist Kenia. Wie oft warst Du schon dort, welche Region hat es Dir besonders angetan und woher kommt die Liebe für dieses Land? Welche Unternehmungen in Kenia empfiehlst Du Familien mit Kindern?“

Antje: „Ich habe sechs Jahre an der kenianischen Nordküste gelebt und dort für ein Reise- und Safariunternehmen gearbeitet. In dieser Zeit war ich in jeder freien Minute auf Safari – das ist einfach meine Passion. Ich kann mir kein schöneres Reise- und Naturerlebnis vorstellen. Die Safaris sind es auch, die mir hier in Deutschland am meisten fehlen. Seither war ich natürlich immer wieder in Kenia um Freunde zu besuchen, auf Safari zu gehen oder einfach die traumhaften Strände zu genießen. Am liebsten mag ich die Masai Mara, das Gebiet um den Mount Kenya und natürlich den Tsavo Nationalpark, in dem ich mich wahrscheinlich noch immer besser auskenne als im deutschen Großstadtdschungel. Aber auch die Küstenregion ist wunderschön – vor allem die Inseln um Lamu, Watamu und die Südküste.
Woher meine Liebe für Afrika kommt, kann ich gar nicht so genau sagen. Ich habe schon als Kind fasziniert Naturdokumentationen und ‚Daktari‘ im Fernsehen geschaut. Dass ich das alles einmal live erleben sollte, hätte ich nie zu hoffen gewagt. Und schlussendlich war es auch ein Zufall, dass ich tatsächlich einen Job in Kenia fand. Eigentlich wollte ich nur ein Jahr bleiben, daraus sind wie gesagt 6 Jahre geworden – und ein Teil meines Herzens ist immer noch dort.

Mit den Kindern war ich leider noch nicht da. Es hat sich einfach noch nicht ergeben. Erst waren sie – meiner Meinung nach – zu klein für all die Impfungen und die Malaria-Prophylaxe, dann war die Sicherheitslage bedenklich. Und leider die Schulferien es schwierig, zu einer idealen Reisezeit nach Kenia zu reisen. Außer natürlich an Weihnachten – und da sind wir einfach lieber daheim.

Familien, die mit Kindern ab ca. 7/8 Jahren reisen, würde ich natürlich auf jeden Fall raten, geführte Touren und natürlich eine Safari zu machen. Kenia ist aktuell leider kein Land für spontane individuelle Touren. Die Sicherheitslage ist schwierig und man muss schon ganz genau wissen, wohin man zu welcher Zeit gehen kann. Ich hoffe, dass sich die Lage bald wieder stabilisiert.“

blogg.de: „Warum bloggst Du? Du könntest schließlich genauso gut einfach durch die Welt fahren, die Bilder im Kopf haben und sie dort lassen – warum so öffentlich?“

Antje: „Zum einen schreibe ich einfach sehr gerne. Zum anderen wurden wir immer wieder nach Reisetipps gefragt, weil sich unsere Art zu reisen auch im Bekanntenkreis herumgesprochen hat. Da lag es nahe, einfach mal anzufangen unsere Lieblingstipps für die einzelnen Destinationen aufzuschreiben. Je mehr ich über das Reisen schreibe, desto intensiver wird das Reiseerlebnis für mich. Ich liebe es, anschließend die Reisen noch einmal beim Schreiben Revue passieren zu lassen.“

blogg.de: „Viele Blogger widmen sich dem Travelblogging, weil es dafür vermeintlich auch Übernachtungen in Luxushotels und Business-Class-Flüge gibt. Wie sieht es bei Dir mit dem ‘Sponsored travelling’ aus?“

Antje: „Wer nur mit dem Ziel kostenlose Luxushotel-Übernachtungen und Business-Class-Flüge zu bekommen, anfängt zu bloggen, wird bald ernüchtert feststellen, dass ein Blog in erster Linie viel Arbeit ist und Geld kostet. Ein Blog braucht viel Herzblut, Begeisterung und Zeit um erfolgreich zu werden. Mir ist natürlich in erster Linie wichtig, über meine Erfahrungen in den Destinationen zu berichten, die mich begeistern. Wenn es sich ergibt, gehe ich auch gerne Kooperationen ein, allerdings ist mir auch da wichtig, anschließend ehrlich über meine Erfahrung zu schreiben. Dazu gehört auch, dass ich nur meine eigenen Fotos verwende und im Bericht auf die Kooperation hingewiesen wird.“

blogg.de: „Was wäre Dein Lieblingsziel über das Du gerne einmal bezahlt berichten würdest?“

Antje: „Das wäre ganz klar eine Tour durchs südliche Afrika oder natürlich Kenia/Tansania.“

blogg.de: „Ganz allgemein zum Thema Blogs. Wie siehst Du die Entwicklung in Sachen Blogging und Refinanzierung des Lebensunterhalts durch einen Blog?“

Antje: „Ein spannendes Thema. Ich denke, dass Blogs und Online-Magazine als Informations- und Inspirationsquellen für Reisen weiter an Bedeutung gewinnen. Dabei ist es gar nicht so leicht, den Überblick über dieses riesige Angebot zu bekommen. Es kommen täglich neue Blogs dazu – andere verschwinden wieder von der Bildfläche. Ich stelle fest, dass sich meine Arbeit für den Blog immer mehr mit meinem eigentlichen Texter- und PR-Job vermischt und ich dadurch natürlich auch mein Portfolio erweitern kann.“

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