Reisebloggermontag: Abenteuer Wandern

Christian Möbus bloggt auf reiseabenteuerlich.de – seine Leidenschaft gilt dem Wandern, das für ihn das beste Mittel zum Abenteuerurlaub darstellt. Mehr darüber im blogg.de-Interview:

blogg.de: „Reisen bedeutet für Dich Abenteuer. Was gehört dazu?“

Christian: „Immer wieder Neues wie fremde Länder zu entdecken und Unerwartetes, beispielsweise Begegnungen mit exotischen Tieren oder interessanten Menschen zu erleben. Das gemeinsame Erleben mit meiner Frau gehört natürlich auch dazu! ;-)“


blogg.de: „Wo hast Du Dein bisher größtes Abenteuer erlebt?“

Christian: „Es gab schon zahlreiche spannende Momente, wie etwa in Peru auf einem Bergkamm oberhalb von Machu Picchu, als ein Kondor keine drei Meter über meinen Kopf flog, um kurz darauf majestätisch durch das Tal zu fliegen. Das größte Abenteuer – wenn auch natürlich immer von Guides begleitet – war unsere knapp einwöchige Tour durch den Manú Nationalpark im Amazonasgebiet. Das einzige Fortbewegungsmittel waren hier die Langboote und wir übernachteten in einer Lodge, die nur von Kerzenschein erleuchtet wurde, während um uns herum die Tiere des Dschungels nachts ein fantastisches Naturkonzert veranstalteten. Im Grunde erlebt man die größten Abenteuer immer da, wo Natur und Menschen noch weitgehend unberührt von Tourismus sind, und nicht alles planbar bzw. vorhersehbar ist.“

Rio Madre de Dios (c) reiseabenteuerlich.de
Rio Madre de Dios (c) reiseabenteuerlich.de

blogg.de: „Du legst Deinen Fokus auf Wanderurlaube – manchen ein Segen, manchen ein Graus. Mit welchen Argumenten würdest Du einem Wandermuffel diese Urlaubsvariante schmackhaft machen?“

Christian: „Meiner Meinung nach gibt es keine bessere Möglichkeit, vom Arbeits- oder welchem Stress auch immer abzuschalten, dabei die Schönheit der Natur zu erleben und sich auch noch sportlich zu betätigen, ohne dass man sich dabei gleich körperlich verausgabt. Wer jetzt meint, Wandern sei kein Sport, dem kann ich nur nahelegen, einmal selbst eine Acht-Stunden-Bergwanderung beispielsweise zu dem Torres-del-Paine-Massiv in Südpatagonien zu machen! 😉
Beim Wandern erlebt man zudem die Landschaft und die Natur auf die intensivste Weise – hinter jeder Biegung bieten sich neue Perspektiven. Oder kriechen Schlangen durch die Büsche. Oder verfolgen einen neugierige junge Affen in den Bäumen …“

blogg.de: „Wanderurlaube sind sicherlich sehr vielfältig. Wie unterscheiden sich die Gegebenheiten von Zielen in Deutschland und solchen in, sagen wir, Süd- und Mittelamerika?“

Christian: „Jedes Land hat seinen ganz eigenen Charme und es gibt auf einer neuen Reise und Wanderung immer etwas zu entdecken. Sicherlich sind Landschaften und Tiere in Ländern wie Costa Rica, Chile oder Peru für uns Europäer am exotischsten und daher das Reiseabenteuer eventuell noch etwas stärker. Ich bin aber auch immer wieder überrascht, in welch einem schönen und an Flora und Fauna vielfältigen Land wir hier in Deutschland leben – sei es nun die Küstenlandschaft der Nordsee, der teils fast mystische Teutoburger Wald oder auch, direkt um die Ecke von Düsseldorf, das pittoreske Bergische Land mit seinen schiefergedeckten Häusern und einer Landschaft, die fast ein bisschen wie das Allgäu anmutet.“

blogg.de: „Über Luxemburg liest man auf Reiseblogs recht selten. Was hast Du dort Spannendes entdeckt?“

Christian: „Luxemburg ist ein wahres Kleinod für Wanderfans! Die Landschaft mit ihren grünen Hügeln und kleinen Dörfern ist an für sich schon einen Besuch wert, das Beste verbirgt sich jedoch zwischen den Feldern und ist kaum auf den ersten Blick zu entdecken: Besonders im Müllerthal – Kleine Luxemburger Schweiz – ziehen sich zahlreiche, teils enge Schluchten durch das Land, deren oft von Moosen und Farnen bewachsene Felsformationen teilweise so bizarre Formen annehmen, dass man sich mit etwas Fantasie die wildesten Kreaturen vorstellen kann. Zudem kenne ich kaum ein Gebiet, in dem es so viele und meist hervorragend ausgeschilderte Wanderwege gibt. Das Schönste ist, dass man innerhalb von circa zwei Stunden von Düsseldorf oder auch Frankfurt in Luxemburg ist, und meist auch – zumindest in Grenznähe – so gut wie jeder Deutsch spricht.“

blogg.de: „Erzähl uns doch eine Deiner ‚amüsanten Begebenheiten‘, wir sind gespannt!“

Christian:
Richtig lustig wird es meist, wenn sich Tier und Mensch begegnen. Insbesondere dann, wenn es sich eigentlich um wilde Tiere handelt. So geschehen im Manú Nationalpark, als wir früh morgens gegen halb fünf von unserem Guide geweckt wurden und schnell zur Küche der Lodge kommen sollten. Dort angekommen, stand uns „Vanessa“ gegenüber, eine kapitale Tapir-Dame, die sich von den Angestellten ein paar Äpfel „abholte“. Dazu muss man, sagen das „Vanessa“ zwar inzwischen ausgewildert ist und im Dschungel lebt, jedoch von den Mitarbeitern aufgezogen wurde und nun immer wieder gern auf einen Hausbesuch zurückkehrt!

Tapir Vanessa (c)  reiseabenteuerlich.de
Tapir Vanessa (c) reiseabenteuerlich.de

Aber auch zwischenmenschliche Begegnungen können durchaus sehr amüsant sein, etwa in der USA, als wir in einem Nationalpark mitten auf der Straße von einem Ranger mit Warnlicht gestoppt wurden. Ich dachte sofort, Schwierigkeiten wegen meiner Geschwindigkeitsübertretung zu bekommen – zumal ich es auch gar nicht mehr schaffte, direkt neben ihm zu halten und wieder ein Stück rückwärtsfahren musste. Doch es geschah nichts dergleichen. Stattdessen fragte er uns, ob wir seinen entlaufenen Hund gesehen hatten – wohlgemerkt hatten wir uns vorher noch über die allseits aufgestellten Hinweisschilder, Hunde zwingend an die Leine zu nehmen, unterhalten. In dem Moment mussten wir uns echt zusammenreißen, um nicht laut loszulachen!

Zum Abschluss noch der Tipp, sich in Vietnam am besten immer die Inhaltsangaben von Getränkedosen übersetzen zu lassen. Denn der vermeintliche Eiskaffee entpuppte sich sehr zu meinem Leidwesen und zum Amüsement meiner Frau als verflüssigtes und ziemlich ekliges Schwalbennest!

blogg.de: „Warum bloggst Du? Du könntest schließlich genauso gut einfach durch die Welt fahren, die Bilder im Kopf haben und sie dort lassen – warum so öffentlich?“

Christian: „Ich habe zunächst angefangen, für mich selbst zu bloggen, da ich festgestellt hatte, dass man zwar viele Bilder aus dem Urlaub mitbringt, nach ein paar Jahren jedoch die Orte oder Geschichten dazu leider wieder zu oft vergessen hat. Durch Wort und Bild bleibt mir das alles erhalten und ich lese auch heute immer gerne wieder ältere Posts zu Reisen, die bereits Jahre zurückliegen. Wenn ich dann auch noch von Freunden oder Arbeitskollegen höre, das sie meine Berichte sehr gern lesen und diese ihnen Inspiration und Hilfe für die nächste Reiseplanung bieten, dann freut mich das umso mehr – und macht mich natürlich auch ein klein bisschen stolz.“

blogg.de: „Viele Blogger widmen sich dem Travelblogging, weil es dafür vermeintlich auch Übernachtungen in Luxushotels und Business-Class-Flüge gibt. Wie sieht es bei Dir mit dem ‘Sponsored travelling’ aus?“

Christian: „Das Bloggen ist bei mir ein reines Hobby und ich habe einen Fulltime-Job, daher steht das bei mir überhaupt nicht im Vordergrund. Für das Travelblogging habe ich mich nicht bewusst entschieden, sondern es ist einfach das Thema, über das ich am liebsten schreibe, da ich damit die meisten schönen Erinnerungen in meinem Leben verbinde. Darüber hinaus ist das Erleben und nicht der Luxus bei uns das, was eine Reise ausmacht. Da reicht dann auch ein sauberes Zwei-Sterne-Hotel oder, noch besser, ein authentisches, privat geführtes Bed & Breakfast bzw. Hostel, in dem man auch noch mit den Gastgebern in Kontakt kommt. So waren gerade diese zwischenmenschlichen, immer netten Begegnungen eines der Highlights unserer Südfrankreichreise, die wir fast komplett über Airbnb gebucht hatten. Der Ehrlichkeit halber gebe ich aber zu, dass ich mir solche Angebote natürlich durch den Kopf gehen lassen würde – allerdings nur, wenn es an keinerlei Bedingungen, wie etwa eine ausdrücklich positive Berichterstattung, geknüpft wäre.“

blogg.de: „Was wäre Dein Lieblingsziel, über das Du gerne einmal bezahlt berichten würdest?“

Christian: „Wie gesagt, Bezahlung hat bei mir keine Bedeutung. Wenn es allerdings grundsätzlich um ein noch nicht bereistes Lieblingsziel geht, da gibt es noch einige! 😉 Beispielsweise „fehlen“ uns noch der afrikanische Kontinent, etwa Namibia, sowie Australien. Wenn ich mich aber entscheiden müsste, würde ich gern mal mit dem Caravan durch Kanada und Alaska.“

blogg.de: „Ganz allgemein zum Thema Blogs. Wie siehst Du die Entwicklung in Sachen Blogging und Refinanzierung des Lebensunterhalts durch einen Blog?“

Christian: „Ich glaube, insgesamt ist das Bloggen auf einem guten Weg, als erwachsener Journalismus wahrgenommen und entsprechend auch honoriert zu werden. Entsprechend wichtig finde ich es, dass wir Blogger, wie auch klassische Journalisten, uns unser wichtigstes Gut – unsere Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit – erhalten. Die besten Blogger sind meines Erachtens diejenigen, die authentisch bleiben und ihrer Meinung Ausdruck verleihen, auch wenn es dann vielleicht nicht allen gefällt, und die sich selbst als Person nicht zu sehr in den Vordergrund stellen.“

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