Reisebloggermontag: Vom Glück des Reisens

Wir haben mit Sabine von ferngeweht über Glücksmomente auf Reisen gesprochen. Klar, dass es auch die andere Seite gibt – trotzdem bringt eine Reise mehr positive, als negative Momente mit sich, findet die Bloggerin und Fotojournalistin. Mit ihrer Kamera hält sie fest, was ihr gefällt, zum Schmunzeln oder Nachdenken anregt. Die schönsten Motive teilt sie auf ihrem Blog. Und das beste? Hinter jedem Bild steckt eine lesenswerte Geschichte. Mehr dazu im blogg.de-Interview.

Sabine auf dem Preikestolen in Norwegen (c) ferngeweht.de
Sabine auf dem Preikestolen in Norwegen (c) ferngeweht.de

blogg.de: „ Liebe Sabine, Dein Blog ferngeweht trägt den Untertitel ‚Vom Glück des Reisens‘. Wie gestalten sich Deine Glücksmomente auf Reisen?“

Sabine: „Dass Reisen Glückshormone ausschüttet, erlebe ich vor allem, wenn ich mitten in der Natur stehe und darüber staunen kann, welche Schönheiten die Welt bereithält: in der Dschungelhütte im Amazonas-Gebiet liegen und bei Morgengrauen die Brüllaffen rufen hören, irgendwo in Indonesien auf einem Boot dem Sonnenaufgang zuschauen, bei der Fahrt durch den Ethosha Nationalpark in Namibia einen Leoparden im Gebüsch entdecken … Es gibt so viele Kleinigkeiten auf Reisen, die mich glücklich und dankbar dafür machen, dass ich solche unvergesslichen Momente erleben darf.

Sonnenaufgang in Indonesien (c) ferngeweht.de
Sonnenaufgang in Indonesien (c) ferngeweht.de

blogg.de: „ Du outest Dich als Foto-Junkie. Welches ist denn momentan Dein Lieblingsbild?“ 

Sabine: „Mein aktuelles Lieblingsbild stammt von meiner letzten Reise, von der ich gerade eben zurückgekehrt bin. Ich war vier Wochen lang in Bolivien unterwegs. Eines meiner Highlights dort war die Laguna Verde im Nationalpark Reserva Nacional de Fauna Andina Eduardo Avaroa im Südwesten Boliviens. Als sich am Abend des Vortags die Wolken zuzogen, prophezeite unser Fahrer für den Folgetag schlechtes Wetter. Zum Glück hatte er Unrecht: Als wir zur Laguna Verde kamen, strahlte die Sonne, sodass der grüne See, die umliegenden puderzucker-bedeckten Berge und der tiefblaue Himmel eine wunderschönes Motiv erzeugten. Auch dieser Anblick gehörte zu einem der Glücks-Highlights meiner Reisen.“

blogg.de: „Mehr Bilder finden User in Deiner Kategorie ‚Fundstücke‘, in der du jede Woche ein neues, skurriles Foto zeigst. Welches Motiv ist diese Woche an der Reihe?“ 

Sabine: „Mein aktuelles Fundstück kommt ebenfalls aus Bolivien. Nach einer Wanderung im Umland von Sucre kehrten wir zum Picknick in einem kleinen Ort in der Cordillera de los Frailes ein. Vom Mittagstisch aus konnten wir eine Schafherde sehen, auf die eine Frau aus dem Dorf aufpasste. Als ich näher heranzoomte, sah ich, was die Schäferin am Gürtel befestigt hatte: ein altes Transistorradio! Nun, warum soll sie sich die Zeit nicht mit ein bisschen bolivianischer Musik vertreiben? ;-)“ 

Musikalische Schäferin in Bolivien (c) ferngeweht.de
Musikalische Schäferin in Bolivien (c) ferngeweht.de

blogg.de: „Du schreibst nicht nur über das Reisen selbst, sondern machst Dir auch allerhand Gedanken darüber. Zum Beispiel schreibst du über Reiseflops, die es neben dem Reiseglück selbstverständlich auch gibt. Erzählst Du uns von Deinem schlimmsten Reiseflop?“ 

Sabine: „Zum Glück ist noch nie eine ganze Reise in die Hose gegangen – meist sind es nur einzelne Orte oder Ausflüge, die ich mir im Nachhinein hätte sparen können. Einer davon ist zum Beispiel die Bootstour zu den Seehundbänken von Walvis Bay in Namibia. Auch wenn die Leiter der Tour immer wieder betonten, dass sie ökologisch arbeiten und die Tierwelt respektieren, verzichteten sie dennoch nicht darauf, die Seehunde mit Fischen an Bord zu locken, damit die Besucher sie füttern und anfassen können. Das hat in meinen Augen mit Ökologie und Tierschutz nichts zu tun und dient allein dem Kommerz. Solche Vorkommnisse findet man leider überall auf der Welt, und das macht mich ziemlich wütend. Wenn es irgendwie geht, versuche ich, solche Anbieter zu meiden.“

blogg.de: „Hast Du Tipps, um Reiseflops bestmöglichst zu umgehen?“

Sabine: „Natürlich kann man sich vor einer Reise gründlich informieren, ob das, was man vorhat, auch tatsächlich seinen Vorstellungen entspricht. Aber letztlich ist es doch Geschmackssache: Was dem einen gefällt, finde ich vielleicht ganz schrecklich – und umgekehrt. Daher ist mein Tipp eher: Nicht zu hohe Erwartungen an eine Reise setzen, dann wird man auch weniger häufig enttäuscht. Und nicht davon ausgehen, dass jeder Tag einer Reise unvergesslich werden wird. Manchmal gibt es halt Tage, die weniger schön sind als andere. Aber wegen dieses Risikos ganz auf das Reisen zu verzichten? Niemals!“

blogg.de: „Warum bloggst Du? Du könntest schließlich genauso gut einfach durch die Welt fahren, die Bilder im Kopf haben und sie dort lassen – warum so öffentlich?“

Sabine: „Ich reise schon seit vielen Jahren durch die Welt, ohne je darüber gebloggt zu haben. Immer wieder fragten mich Freunde nach Reisetipps oder freuten sich über die Bilder und Geschichten, die ich mit nach Hause brachte. Irgendwann dachte ich mir: Warum sollten nicht noch viel mehr Menschen von meinen Reiseerlebnissen und -erfahrungen profitieren? Ein Blog ist meiner Ansicht die beste Plattform für solch einen Austausch. Die Texte dafür zu schreiben fällt mir als Journalistin leicht, und Fotos bringe ich als passionierte Hobbyfotografin ohnehin von meinen Reisen mit. Da lag der Start eines Reiseblogs einfach nahe.“ 

blogg.de: „Viele Blogger widmen sich dem Travelblogging, weil es dafür vermeintlich auch Übernachtungen in Luxushotels und Business-Class-Flüge gibt. Wie sieht es bei Dir mit dem ‘Sponsored travelling’ aus?“

Sabine: „Ich habe bisher an keiner gesponsorten Bloggerreise teilgenommen und habe mir noch nie Hotels oder Anreise bezahlen lassen. Wenn sich einmal die Gelegenheit einer Zusammenarbeit in einer Region ergibt, in die ich ohnehin reisen wollte, will ich eine Kooperation mit einem Anbieter nicht ausschließen. Aber ich blogge auf keinen Fall, weil ich dafür irgendwann vielleicht einmal kostenlose Leistungen bekommen könnte.“ 

blogg.de: „Was wäre Dein Lieblingsziel, über das Du gerne einmal bezahlt berichten würdest?“

Sabine: „Es ist wie gesagt gar nicht mein Ziel, bezahlt über eine Destination zu schreiben. Allerdings gibt es noch eine ganze Reihe von Ländern und Regionen auf meiner To-go-Liste, darunter zum Beispiel Myanmar, Neuseeland oder Patagonien. Aber ich werde sicherlich nicht warten, bis sich dafür ein Sponsor findet – lieber fahre ich in den nächsten Jahren auf eigene Kosten dorthin, so wie bisher bei allen anderen Reisen auch.“

 blogg.de: „Ganz allgemein zum Thema Blogs. Wie siehst Du die Entwicklung in Sachen Blogging und Refinanzierung des Lebensunterhalts durch einen Blog?“

Sabine: „Seinen kompletten Lebensunterhalt über das Bloggen zu verdienen, halte ich für ziemlich illusorisch. Schaut man sich die großen Blogger genauer an, sieht man schnell, dass ihre Einnahmen selten ausschließlich über das Bloggen generiert werden. In den meisten Fällen haben sie noch weitere Einkommensquellen – seien es Bücher, Webinare, Freeleancer- oder Beratungs-Tätigkeiten. Die meisten Blogger haben genau wie ich einen ganz normalen bezahlten Job und sehen ihren Blog als eine Möglichkeit, sich ein paar Euro hinzuzuverdienen. Da die Unternehmen gerade erst das Thema Blogger Relations für sich entdeckt haben, steckt hier meiner Ansicht nach noch einiges an Potenzial in der künftigen Zusammenarbeit.“

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