Reisebloggermontag: Reisen für Berufstätige

Die Welt entdecken mit einem 9-to-5-Job? Muss ich dafür gleich kündigen? Wie kann ich entspannen, wenn schon in zwei Tagen wieder die Arbeit ruft? Fragen wie diesen widmet sich Reisebloggerin Sabine auf reisenomadin.de. Selbst berufstätig weiß sie, wie man die vorhandene Freizeit gekonnt zum Reisen nutzt. Ihre Devise: Man muss nicht wochenlang Urlaub machen, um abschalten zu können!

blogg.de: „Du betreibst mit reisenomadin.de einen Reise- und Lifestyleblog für Berufstätige. Was macht Deine Zielgruppe aus?“

Sabine: „Mein Blog richtet sich an reisebegeisterte, trendbewusste und sportlich aktive Leserinnen und Leser, die arbeitsbedingt nur über ein begrenztes Urlaubskontingent im Jahr verfügen. Dennoch möchten sie ihr Fernweh stillen, Neues entdecken, dem Alltag entfliehen, Kulinarisches genießen. Daher arbeite ich sehr gerne mit europäischen Destinationen und Hotelgruppen zusammen, die diese Möglichkeiten bieten. Da es mittlerweile viele Reiseblogs gibt, habe auch ich mir eine kleine Nische unter den Reisebloggern eingerichtet, die mich, mein Leben und meine Ansicht des Reisens authentisch widerspiegelt: So finden sich auf meinem Blog, neben Reiseberichten aus aller Welt, die Kategorie „Alltagsfluchten“, die sich speziell an Berufstätige richtet, die auf Grund eines begrenzten Urlaubkontingents nicht immer an einer Fernreise interessiert sind, sondern Möglichkeiten suchen, wie sie an einem verlängerten Wochenende eine neue Stadt erkunden, bzw. in einem Spa wieder sämtliche Energiereserven aufladen können.“

Sabine: "Eines meiner Highlights in diesem Jahr, die Reise nach Israel" (c) reisenomadin.de
Sabine: „Eines meiner Highlights in diesem Jahr, die Reise nach Israel“ (c) reisenomadin.de

blogg.de: „Dürfen wir fragen, was Du beruflich machst?“

Sabine: „In meinem ’normalen‘ Leben gehe ich einem 9-to-5-Job in der öffentlichen Verwaltung nach. Ich bin Diplom-Geographin, war nach meinem Studium drei Jahre lang als PR Managerin für touristische Destinationen und Hotels in München tätig und bin dann, der Liebe wegen, vor 1 1/2 Jahren in das schöne Allgäu gezogen. Hier berate ich eine Gemeinde hinsichtlich ihrer Wirtschafts- und Tourismusstrategie und bin verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit. Also ein recht bodenständiger Job, der mich erdet, aber der auch regelmäßig bei mir das Fernweh weckt.

blogg.de: „Wie bringst Du Job, Reisen und Deinen Blog unter einen Hut? Hast Du Tipps für Deine Reisebloggerkollegen?“

Sabine: „Lach, das ist eine sehr gute Frage! Über Tipps und dergleichen wäre ich überaus dankbar! (lacht). Nein, im Ernst: von außen hat das Bloggen so einfach ausgesehen, den einen oder anderen Post unter der Woche, ein paar E-Mails beantworten, reisen … aber in Wirklichkeit kommt ja noch viel mehr mit dazu, was natürlich irgendwie in den Alltag mit integriert werden muss. Da gehört einfach ein wenig Disziplin mit dazu, sich abends an den PC zu setzen und Artikel anzufertigen, Kontakte zu pflegen, Kooperationen zu planen. Aber es macht mir so unheimlich Spaß, dass sich das natürlich nicht wie harte Arbeit anfühlt. Dennoch: ich versuche immer eine kleine Lücke zwischen Kooperationen entstehen zu lassen, quasi einen zeitlichen Puffer, in dem ich die Artikel vorheriger Kooperationen schreiben und vorbereiten kann. Denn schließlich möchte der Kunde bzw. Kooperationspartner auch seinen Input und nicht allzu lange warten.“

Sabine "Der arabische Raum hat es mir angetan. Bei einem Kochkurs in Jordaniens Hauptstadt Amman" (c) reisenomadin.de
Sabine „Der arabische Raum hat es mir angetan. Bei einem Kochkurs in Jordaniens Hauptstadt Amman“ (c) reisenomadin.de

blogg.de: „Wie sieht ein idealer Urlaub für Reisende mit knappem Zeitbudget aus? Vielleicht verrätst Du uns erst einmal, was für Dich in diesem Zusammenhang ‚knapp‘ bedeutet?“

Sabine: „Man muss so ein wenig vom Denken wegkommen, dass der ideale Urlaub eine Woche oder zwei beträgt. Wenn man sich selber ein wenig beobachtet, vielleicht ein Nahziel anstelle eines Fernziels wählt, kann man bereits nach drei Nächten tiefenentspannt zurückkommen. Ich bin manchmal selbst erstaunt, wie schnell das geht und habe in den letzten Monaten den Reiz der Kurzreisen entdeckt. Meist reise ich mit dem eigenen Auto an, entgehe den langwierigen Abfertigungsprozessen und Wartezeiten am Flughafen, und kann recht schnell an meinem Urlaubsort abschalten. Erst vor kurzem war ich z.B. im Kuschel- und Genießerhotel GAMS im österreichischen Bezau. Hier wirst du so gut umsorgt, dass du bereits nach wenigen Stunden den Alltag vergessen kannst.“

blogg.de: „Was tun, wenn man doch einmal länger weg will? Muss es gleich die Kündigung sein?“

Sabine: „Für mich wäre das nicht die Ideallösung. Das ist, denke ich, immer typabhängig. Ich wäre vermutlich so verkrampft in Gedanken, was nach der Reise mit mir passiert, dass ich mich gar nicht auf die Reise konzentrieren könnte. Ich habe eine sehr gute Vereinbarung mit meinem Arbeitgeber getroffen, kann auch mal drei bis vier Wochen am Stück verreisen, muss mich kaum mit Kollegen hinsichtlich der Urlaubszeit absprechen. Daher kommt für mich, zumindest aktuell, eine Kündigung auf Grund einer längeren Reise, nicht in Frage.“

Sabine: "In Ligurien durfte ich dem Koch über die Schulter schauen" (c) reisenomadin.de
Sabine: „In Ligurien durfte ich dem Koch über die Schulter schauen“ (c) reisenomadin.de

blogg.de: „Warum bloggst Du? Du könntest schließlich genauso gut einfach durch die Welt fahren, die Bilder im Kopf haben und sie dort lassen – warum so öffentlich?“

Sabine: „Ich finde, es ein viel intensiveres Reiseerlebnis, wenn ich weiß, dass ich danach einen Artikel oder Blogpost verfassen werde. Ich reise bewusster, achte auf bestimmte Situationen, versuche Worte zu finden, für die Dinge, die ich unterwegs sehe. Zu Hause beginnt dann die Nachbereitung, ich lese viel Reiseliteratur und Reiseführer, informiere mich über Hintergründe. Genau diese Arbeit macht mir so unheimlich viel Spaß, dass ich irgendwann die langjährige Idee, einen Blog zu starten, in die Realität umgesetzt habe.“

blogg.de: „Viele Blogger widmen sich dem Transalbingien, weil es dafür vermeintlich auch Übernachtungen in Luxushotels und Business-Class-Flüge gibt. Wie sieht es bei Dir mit dem ‘Sponsored travelling’ aus?“

Sabine: „Natürlich kommt man gerne in den Genuss toller Kooperationen, aber für mich ist das Hauptanliegen immer, meinen Leserinnen und Lesern authentisch und ehrlich zu berichten. Ich kennzeichne jeden Artikel, der im Rahmen einer Kooperation entstanden ist und lasse auch Punkte weg, die mir auf der Reise zum Beispiel überhaupt nicht gefallen haben. Ich reise weiterhin auch viel individuell, weil viele Dinge, die du persönlich in einer Stadt / einem Land sehen möchtest, die dich interessieren, manchmal auch gar nicht im Reiseprogramm des Kooperationspartners vorgesehen sind. Ich denke, mit dieser Lösung fahre ich aktuell ganz gut.“

blogg.de: „Was wäre Dein Lieblingsziel, über das Du gerne einmal bezahlt berichten würdest?“

Sabine: „Eine wirklich schwierige Frage, weil es noch so viele Länder gibt, die ich noch entdecken möchte. Länder und Regionen wie Usbekistan, die Mongolei, der Iran wären, denke ich, meine Sehnsuchtsziele.“

blogg.de: „Ganz allgemein zum Thema Blogs. Wie siehst Du die Entwicklung in Sachen Blogging und Refinanzierung des Lebensunterhalts durch einen Blog?“

Sabine: „Der Blog ist und bleibt für mich persönlich ein Hobby, das mir das Reisen in fremde Länder ermöglicht, und ich muss ehrlich sagen, dass ich diese Unabhängigkeit und Leichtigkeit auch sehr genieße. Ich kann Kooperationen durchaus auch mal ablehnen, komme nicht in finanzielles Bedrängnis, wenn ich mal eine Woche lang nicht so produktiv bin – diese Freiheit würde ich ungern missen wollen und ich hätte Angst vor dem Moment, in dem das Bloggen zur “Verpflichtung” und in Stress ausarten würde.“

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